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Lübeck, Theater Lübeck, Die FLEDERMAUS – Johann Strauss, IOCO Kritik, 12.11.2022

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Wolfgang Schmitt
12. November 2022
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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn
Theater Lübeck © Olaf Malzahn

DIE FLEDERMAUS – Johann Strauss

– beschwingte Wiener Walzerseligkeit im Theater Lübeck –

von Wolfgang Schmitt

Der Walzerkönig Johann Strauss in Wien © IOCO
Der Walzerkönig Johann Strauss in Wien © IOCO

Zu Beginn der am 6.11.2022 im Theater Lübeck schwungvoll dargebotenen Ouvertüre, die bereits die zahlreichen musikalischen Höhepunkte dieser herrlichen Operette zusammenfaßt, werden auf der Bühnenleinwand zunächst einige geometrische Skizzen und phantasievolle, immer bunter werdende Projektionen sichtbar, die schließlich in das Bühnenbild des ersten Aktes, den blühenden Garten der von Eisensteins mitsamt eines großen türkisfarbenen Swimmingpools übergehen. Und so wird das Publikum höchst wirkungsvoll musikalisch auf klangvolle Leichtigkeit und beschwingte Wiener Walzerseligkeit eingestimmt. Unter der inspirierten Leitung des GMDs Stefan Vladar präsentierte sich das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck wieder einmal von Beginn an bis zum Ende in herausragender Bestform. Insbesondere im zweiten Akt beim Ball des Orlofsky sowie auch im großen Finale des dritten Aktes, wenn der von Jan-Michael Krüger perfekt einstudierte und wunderbar singende und szenisch agierende Chor des Lübecker Theaters gemeinsam mit den Solisten und den Tänzerinnen grandiose, revueartige Show-Einlagen zum Besten gab (Choreographie von Kati Heidebrecht), verschmolzen Bühne und Orchestergraben zu einer triumphalen Einheit, und das begeisterte Publikum sparte hier auch nicht mit gebührendem Szenenapplaus.

Theater Lübeck / DIE FLEDERMAUS hier Tanja Kuhn als Rosalinde © TL / Olaf Malzahn
Theater Lübeck / DIE FLEDERMAUS hier Tanja Kuhn als Rosalinde © TL / Olaf Malzahn

Beeindruckend kreativ und prächtig anzuschauen waren die Bühnenbilder von Heinz Hauser: im ersten Akt nahm der Swimmingpool, Foto links, einen großen Teil der Bühnenfläche ein – längs gespannte blau-, grün- und türkis-farbene breite Gummibänder suggerieren die Wasseroberfläche – in diesem tummelten sich der Herr von Eisenstein und später Rosalinde mit ihrem Alfred.
Im zweiten Akt beim Ball des Prinzen von Orlofsky dominieren links und rechts der Bühne wallende dunkelrote Vorhänge, im Bühnenhintergrund scherenschnittartige Theaterränge. Der dritte Akt schließlich spielt recht stimmungsvoll auf abgedunkelter Bühne mit Gitterprojektion, einigen Requisiten wie Tisch und Schrank, im Hintergrund die Skyline von Wien mit Stephansdom, Prater und Schloß Schönbrunn. Regisseur Michael Wallner hat es sich nicht nehmen lassen, den Gerichtsdiener Frosch höchstselbst zum Besten zu geben, was ihm auch auf gekonnt humorvolle Weise gelang, ohne das seine Szenen, wie schon oftmals in anderen Fledermaus-Produktionen erlebt, langatmig, nervig oder klamaukig herüberkamen.

Seine Inszenierung sprühte nur so vor Charme, Witz, erlesenem Stil und meisterlicher Geschmeidigkeit. Gleich der erste Akt bot dem Zuschauer reichlich Vergnügen, wenn Herr von Eisenstein und später Rosalinde und Alfred einen Strip hinlegten, in ihren Bademoden durchaus gute Figur machten und sich in die “Fluten“ des Swimmingpools stürzten.
Steffen Kubach glänzte als Gabriel von Eisenstein, wieder eine Partie, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint. Mit noblem Kavaliersbariton und brillant in seinem Spiel und seinen tänzerischen Einlagen gab er hier den perfekten Lebemann.
Tanja Kuhn war als Rosalinde eine echte Operettendiva mit funkelndem Sopran, charmant in ihrer Darstellung, besonders auch als ungarische Gräfin, ihren ‘Czardas’ sang sie vortrefflich und auch in den Duetten und Ensembles war sie herausragend. Als ihr Liebhaber Alfred präsentierte Noah Schaul seinen makellos geführten lyrischen Tenor, den er auch kraftvoll einzusetzen verstand und sich hier bereits als zukünftiger ‘Herzog von Mantua‘ oder ‘Manrico’ empfahl.

Theater Lübeck / DIE FLEDERMAUS hier ein Szenefoto © TL / Olaf Malzahn
Theater Lübeck / DIE FLEDERMAUS hier ein Szenefoto © TL / Olaf Malzahn

Laila Salome Fischer in der Partie des sich sehr energisch und machohaft gebenden Prinzen von Orlofsky mit sattem dunklen Mezzosopran gefiel in seiner Kosakentracht mit Pelzmütze und großem Pelzkragenmantel. (Die bunten, überaus phantasievollen Kostüme, insbesondere auch die der Choristen, entwarfen Tanja Liebermann und Yvonne Förster.) Mit seinen zahlreichen Gästen fackelte er nicht lange, und so fing sich Adele schon mal eine Ohrfeige von ihm ein. Adele wurde kokett gespielt und prächtig gesungen von Nataliya Bogdanova, ihr nicht allzu soubrettenhaft hell timbrierterer lyrischer Sopran bestach mit blitzsauberen Koloraturen und herrlichen Spitzentönen.

DIE FLEDERMAUS – Trailer des Theater Lübeck
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Die Bariton-Partien des Gefängnisdirektors Frank und des Notars Dr. Falke wurden von Andreas Lettowsky und Erwin Belakowitsch ansprechend, souverän, klangvoll und stimmkräftig gesungen, auch bewiesen sie in ihren Szenen ihr komödiantisches darstellerisches Talent. Tomasz Mysliwiec in der Partie des Dr. Blind sowie Elisa Pape als Ida mit ihren beiden akrobatisch gelenkigen Tänzerinnen Marlou Düster und Lucia Haas Munoz rundeten das hoch engagierte, spiel- und tanzfreudige Ensemble ab. Am Schluß gab es lang anhaltenden, nicht enden wollenden Applaus für die zahlreichen Mitwirkenden von einem dankbaren Publikum.

DIE FLEDERMAUS am Theater Lübeck; alle Termine und Karten – link HIER!

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