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Eutin, Eutiner Festspiele, EIN KÄFIG VOLLER NARREN – Musical, IOCO Kritik, 26.08.2022

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Wolfgang Schmitt
26. August 2022
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Eutiner Seebühne © Eutiner Festspiele / C Becker
Eutiner Seebühne © Eutiner Festspiele / C Becker

Eutiner Festspiele 2021

 EIN KÄFIG VOLLER NARREN – Jerry Hermann

Zaza – Star des Nachtclubs – Uwe Kröger – reißt auch das Publikum mit

von Wolfgang Schmitt

Jerry Herman (1931 – 2019) ist der erfolgreichste amerikanische Musical-Komponist, insgesamt zwölf Musicals schrieb er für den Broadway. Sein berühmtestes Werk war Hello Dolly mit über 2.800 Aufführungen, gefolgt von La Cage aux Folles mit mehr als 1.700, und schließlich das in Deutschland und Europa weniger bekannt gewordene Musical „Mame“ mit etwa 1.500 Aufführungen. Verfilmt wurden Hello Dolly, höchst erfolgreich mit Barbra Streisand und Louis Armstrong, sowie Mame mit Angela Lansbury in der Titelpartie.

EIN KÄFIG VOLLER NARREN – Eutiner Festspiele 2022
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Nach dem letztjährigen Erfolg von Cabaret entschieden sich die Eutiner Festspiele in diesem Sommer für Jerry Hermans Ein Käfig voller Narren und legten diese Produktion wieder in die bewährten Hände von Regisseur Tobias Materna, der mit viel Tempo und Temperament ein grandioses Feuerwerk aus herrlichem Gesang, sprühendem Witz und teilweiser Tragikomik, erotischen Revue-Einlagen und gekonnter, nicht allzu aufgesetzt wirkender Travestie auf die Naturbühne zauberte. Jörg Brombacher entwarf das imposante Bühnenbild, bestehend aus einer golden umrahmten Showbühne mit silbrigem Vorhang, goldenen Stufen, sowie links eine Wendeltreppe, die hinauf führt in Zazas Garderobe.

Zaza bzw. Albin steht natürlich im Mittelpunkt dieser turbulenten Handlung. Zaza ist der Star des Nachtclubs von Georges, Albins Lebenspartner. Gemeinsam haben sie Georges’ Sohn aufgezogen – Georges’ Hetero-„Fehltritt“ mit einer Tänzerin vor langer Zeit im Lido in Paris – der sich nun in ein Mädchen namens Anne verliebt hat und diese heiraten will. Annes Vater, Monsieur Dindon, ist ein sehr konservativer und auch noch homophober Politiker und Moralapostel, der es sich zum Ziel gesetzt hat, sämtliche Etablissements an der französischen Riviera zu schließen, und damit sind die Probleme und Verwicklungen schon vorprogrammiert. Doch auch Monsieur Dindon hat keine wirklich „weiße Weste“, und so kommt es schließlich zum Happy End und alle sind zufrieden.

Musikalisch war diese Vorstellung ein absoluter Volltreffer. Unter der bewährten Leitung von Christoph Bönecker spielten die Musiker der Kammerphilharmonie Lübeck hoch engagiert und schwungvoll, boten einen poppigen, herrlich swingenden Sound, geleiteten die Solisten vortrefflich durch die Songs, Duette und Ensembles, und blühten nochmals so richtig auf im großartigen Finale.

Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Eutiner Festspiele
Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Eutiner Festspiele

Strahlender Mittelpunkt dieser Inszenierung ist natürlich Uwe Kröger, er war einfach sensationell in seiner Doppelpartie als Albin / Zaza. Der berühmteste Song des Stückes, „Ich bin was ich bin“ war natürlich ein Showstopper, aber auch den Mascara-Song und „Die schönste Zeit“ sang Uwe Kröger wunderbar augenzwinkernd und ausdrucksstark. Seine zahlreichen Kostüme, durchaus geschmackvoll und nicht allzu übertrieben schrill – von Gisa Kuhn entworfen – trugen ein übriges zu seiner Ausstrahlung als Showstar bei. Ihm gelang es perfekt, die Balance der Figur zwischen Komik und Tragik wunderbar selbstironisch auszuloten. Einerseits spielt er den glamourösen Nachtclub-Star, andererseits ist er ein weichlicher Mann, der Probleme mit dem Älterwerden hat und sich von seinem Partner vernachlässigt und missverstanden fühlt.

Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Wolfgang Schmitt
Eutiner Festspiele / EIN KÄFIG VOLLER NARREN © Wolfgang Schmitt

Livio Cecini ist dieser Lebenspartner Georges, ein nobler Nachtclubbesitzer und charmanter Conferencier in glitzerndem Smoking. Er gibt sich männlich, pragmatisch und bodenständig, hat Lösungen parat, wenn die Lage brenzlig wird. Seinen Kavaliersbariton bringt er gut zur Geltung im Strandlied wie auch in dem gefühlvollen Song „Sieh mal dorthin“, und natürlich in seinem Duett mit Albin „Wir sind wie wir sind“. Sein Sohn Jean Michel Julian Culemann mit ansprechendem lyrischen Tenor glänzte in seiner Solo-Nummer „Mit Anne im Arm“ – will sich mit Anne Dindon verloben – dargestellt von Jasmin Eberl, der großartigen Sally Bowles im letzten Sommer –, ihre Eltern werden erwartet, der Vater ist ausgerechnet ein stockkonservativer Sittenwächter, also muß Albin an diesem Abend verschwinden und die Wohnung muß umgeräumt und auch noch mit einem großen Kruzifix ausgestattet werden. Doch wie zu erwarten läßt Albin sich die liebevolle Mutterrolle nicht nehmen und behält auf dieser Feier als brave Ehefrau die Fäden in der Hand.

Mariano Skroce und Karin Westfal gaben darstellerisch und gesanglich ihr Bestes in ihren kleinen Auftritten als Monsieur und Madame Dindon. Marc Chardon sang und spielte seine Rolle als Zofe Jacob mit Witz und Charme, und Yvonne Disqué absolvierte charmant ihre Partie als Restaurantbesitzerin Jacqueline.

Stellvertretend für die Stars des Nachtclubs La Cage aux Folles sei hier Laurent N’Diaye als Chantal erwähnt, der/die durchdringend eine Passage aus Lucia di Lammermoor schmetterte In der Choreographie von Vanni Viscusi präsentierten sich die langbeinigen Damen und Herren –  vorwiegend Herren – des Balletts, ausdrucksvoll, charmant, sinnlich, und prickelnd erotisch.

Der Wettergott meinte es an diesem Sonntag nicht ganz so gut und ließ es im zweiten Teil regnen, allerdings nicht so arg, daß diese fabelhafte Vorstellung hätte vorzeitig beendet werden müssen, ein Glück für das begeisterte Publikum, das am Ende nicht mit Ovationen für alle Mitwirkenden sparte.

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