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Hamburg, Hamburger Kammeroper, Lucia di Lammermoor – Gaetano Donizetii, IOCO Kritik, 18.05.2022

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Wolfgang Schmitt
18. May 2022
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Allee Theater Hamburg / Kammeroper und Theater für Kinder © Dr Joachim Flügel
Allee Theater Hamburg / Kammeroper und Theater für Kinder © Dr Joachim Flügel

Allee Theater Hamburg

 LUCIA DI LAMMERMOOR  konzertant –  Gaetano Donizetti

von Wolfgang Schmitt

Die konzertante Aufführung von Donizettis Lucia di Lammermoor sorgte in der Hamburger Kammeroper ausgerechnet am Freitag dem 13. Mai 2022 beim Publikum für helle Begeisterung. Die Kammeroper feiert in diesem Jahr 2022 ihr 25jähriges Bestehen.  Gegen Ende dieser Opernspielzeit 2021-22 hatte man sich aufgrund dessen noch etwas Besonderes einfallen lassen, nämlich diese konzertante Darbietung in italienischer Sprache mit einem größeren Orchester, dem in Hamburg ansässigen und aus etwa 20 Musikern bestehenden Rungholt Ensemble.

Ettore Prandi leitete dieses Kammerorchester kompetent und brachte Donizettis wunderschöne Komposition wirkungsvoll zur Geltung. Er verstand es, die Partitur sowohl fließend und weich, aber auch effektvoll, dramatisch und leidenschaftlich zupackend auszuloten. Vor allem die Streicher glänzten mit zart schwingenden Melodiebögen, aber auch die solistischen Einlagen der Harfe und der Bläser verfehlten ihre Wirkung nicht und sorgten für ein in diesen Räumen ungewöhnliches, herrliches Klangerlebnis.

Hamburger Kammeroper / LUCIA DI LAMMERMOOR hier Guillermo Valdés als Edgardo, Luminita Andrei als Lucia © Wolfgang Schmitt
Hamburger Kammeroper / LUCIA DI LAMMERMOOR hier Guillermo Valdés als Edgardo, Luminita Andrei als Lucia © Wolfgang Schmitt

Ein brillantes Solisten-Sextett hatte die Kammeroper zu diesem Anlass aufgeboten, allen voran die junge rumänische Koloratursopranistin Luminita Andrei in der Titelpartie der Lucia. Zwischenzeitlich hier in Hamburg bereits zu Staatsopern-Ehren gelangt, beeindruckte sie als Lucia nicht nur stimmlich, sondern auch mit ihrer Bühnenpräsenz und mit ihrem angedeuteten Spiel und ihrer Gestik besonders während der Wahnsinnsszene. Ihre Stimme, die sie mit berückender Leichtigkeit und Natürlichkeit führt, hat einen warmen, samtenen Klang und verfügt über ein strahlendes Höhenregister mit perfekt sitzenden Spitzentönen. Sie trug zunächst ein rotes Abendkleid, im zweiten Teil erschien sie in einem weißen, blutbefleckten Gewand, und der hellblaue Bühnenhintergrund färbte sich passend zur Handlung blutrot.  Ihre große Szene „Il dolce suono – Ardon gl’incensi“ gestaltete sie mit zarter Lyrik, wunderbar fließenden Koloraturen und kontrollierter Dramatik. Ihre Duette mit Edgardo gelangen äußerst harmonisch und wiesen innige Momente auf.

Hamburger Kammeroper / LUCIA DI LAMMERMOOR hier Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt
Hamburger Kammeroper / LUCIA DI LAMMERMOOR hier Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt

Der junge Chilene Guillermo Valdès sang den Edgardo mit vollem, runden, angenehm klingenden Tenor, seine große finale Szene mit der Schlußarie „Tombe degli avi miei – Fra poco a me ricovero“, mit körperlichem Einsatz vorgetragen, war eine gekonnte Mischung aus lyrischer Feinfühligkeit und dramatischer Leidenschaft. Im Turmszenen-Duett mit Enrico „Qui del Padre ancor respira“ imponierte er mit tenoraler Strahlkraft. Hongyu Chen, ein aus der Mongolei stammender Bariton, sang den machtbesessenen Enrico mit kraftvoll klingender, nicht allzu dunkel timbrierter, geschmeidiger Stimme. In seinem Duett mit Lucia, „Appressati Lucia“ klang er eindrucksvoll, ebenso im bereits erwähnten Turmzimmer-Duett mit Edgardo, als beide Sänger einen dramatischen Wettstreit ausfochten. Titus Witt in der Bass-Partie des Raimondo hatte seine starken Momente im zweiten Akt beim Duett mit Lucia Al ben de tuoi qual vittima“ und in seiner großen Arie „Dalle stanze ove Lucia“, die er klangschön interpretierte. Feline Knabe als Lucias Vertraute Alisa gestaltete diese Mezzo-Partie mit einfühlsamen Tönen, und der junge Tenor Jacob Romero Kessin sang die beiden Partien des Normanno und des ungeliebten Bräutigams Arturo Bucklaw zuverlässig, auch die Chorpassage zu Anfang übernahm er; seine Stimme hat besonders in der Mittellage einen schönen Klang. Auf einen Chor hatte man (aus Platzgründen) verzichtet, aber auch ohne diesen war es ein gelungener, beglückender Abend.

Lutz Hoffmann als Moderator erläuterte zwischen den Akten die Handlung teils humorvoll und mit leichtem Augenzwinkern. Am Ende gab es Ovationen für alle Beteiligten, besonders natürlich für Luminita Andrei, aber auch für Guillermo Valdés sowie für Ettore Prandi und das Kammerorchester Rungholt Ensemble.

LUCIA DI LAMMERMOOR – Hamburger Kammeroper; weitere Vorstellungen u.a.  20.5.; 21.5.; 22.05.2022

—| IOCO Kritik Allee Theater Hamburg |—


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