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Hamburg, Hamburger Staatsoper, AIDA – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 30.03.2022

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Wolfgang Schmitt
30. March 2022
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann
Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 AIDA –  Giuseppe Verdi

Italienische Opernwochen 2022 an der Hamburger Staatsoper

von Wolfgang Schmitt

Die „Italienischen Opernwochen 2022“ an der Hamburger Staatsoper schreiten voran mit der Aida-Inszenierung von Guy Joosten aus dem Jahre 2010, die so gar nichts ägyptisch anmutendes an sich hat, sieht man mal von Amneris’ Cleopatra-Frisur ab. Das schwarz-weiße Bühnenbild von Johannes Leiacker erinnert eher an den Eingang bzw. an das Gänge-Labyrinth einer U-Bahn-Station. Die von Jorge Jara entworfenen Kostüme sind ein Konglomerat aus verschiedenen Uniformen, Priestergewändern, zerrissener dunkelgrüner Kleidung der äthiopischen Gefangenen, und Abendroben für die (Chor-) Damen während der Siegesfeier.

AIDA – hier zur Premiere 2011 an der Hamburger Staatsoper
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Aida trägt ein langes blaues Kleid, Amneris elegante schlichte Roben in Pastellfarben, gegen Ende ein weißes Brautkleid. Aufs Ballett beim Triumphmarsch wurde zugunsten einer opulenten Stehparty anlässlich des Sieges über die Äthiopier verzichtet. Vorn auf der Bühne steht ein breites weißes Bett, auf dem sich Radames und Aida gleich zu Beginn während der Ouvertüre vergnügen und auf dem sie im letzten Akt „in questa tomba“ einen Giftcocktail trinken.

Staatsoper Hamburg / AIDA hier das Ensemble © Hans Jörg Michel.
Staatsoper Hamburg / AIDA hier das Ensemble © Hans Jörg Michel.

Die Aida sang Tatiana Serjan, eine dramatische Sopranistin mit großer, dunkler ausladender Stimme, deren Timbre Geschmackssache ist. Der Eindruck, den sie nach dieser Vorstellung hinterließ, war etwas zwiespältig, die Gesangslinie klang oftmals unausgeglichen, die Spitzentöne saßen, wurden aber zu schnell abgebrochen, und man vermisste ein Legato. Ihre Darstellung war bemüht, wobei das ständige Herumfuchteln mit Händen und Armen auf die Dauer störend wirkte. Violeta Urmana als Amneris, in dieser Inszenierung dem Alkohol verfallen und ständig mit Sektglas oder einer Flasche in der Hand agierend, bot sängerisch und schauspielerisch die überzeugendste Leistung dieses Abends. Ihr edler nicht allzu dunkler Mezzosopran verfügt über ein markantes Timbre, und besonders in der Gerichtsszene hatte sie Gelegenheit, ihre Trumpfkarten, virtuoses Stimmfeuerwerk und dramatische Gestaltung auszuspielen.

Fabio Sartori gab sein Debüt an der Staatsoper und bot eine solide Leistung als Radames. Seine kraftvolle Stimme verfügt über tenoralen Schmelz, über eine sichere Höhe, die b’s gelangen ihm problemlos. Daß er darüber hinaus auch noch ein begnadeter Darsteller ist, kann man nicht behaupten und wird man von ihm aufgrund seiner Physis auch nicht erwarten.

 Staatsoper Hamburg / AIDA hier Amartuvshin Enkhbat als Amonasro © Prom
Staatsoper Hamburg / AIDA hier Amartuvshin Enkhbat als Amonasro © Prom

Ein weiteres Hausdebüt gab es von dem mongolischen Bariton Amartuvshin Enkhbat in der Partie des Amonasro. Sein großer dunkler, wunderbar warm timbrierter Bariton mit nahezu samtener Mittellage, sicherer Höhe und sonorem Tiefenregister beeindruckten vom ersten Moment an. Insbesondere in der Nilszene mit Aida, hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seiner Tochter und zu seinem Heimatland, wenn er seine Stimme dramatisch, drohend und kraftvoll auftrumpfend einsetzt, war er großartig – ein beeindruckendes, gelungenes Hamburg-Debüt.

Alexander Roslavets sang den Ramfis mit seinem wohlklingenden dunklen, kultivierten Bass, ebenso der junge italienische Bass Romano dal Zavo in der Partie des Königs in schmucker weißer Gardeuniform, dessen volltönende sonore Stimme aufhorchen ließ. Marie-Dominique Ryckmanns sang die Tempelsängerin mit ihrem frischen, klaren Sopran, und der Tenor Seungwoo Simon Yang als der gefolterte Bote schlechter Nachrichten rundete das Solistenensemble ab.

Staatsoper Hamburg / AIDA hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt
Staatsoper Hamburg / AIDA hier das Ensemble zum Schlussapplaus © Wolfgang Schmitt

Am Pult waltete Daniele Calligari seines Amtes, er setzte weitgehend auf schnelle Tempi, war den Protagonisten ein aufmerksamer Begleiter und achtete darauf, daß das prächtig aufspielende Philharmonische Staatsorchester nicht allzu laut auftrumpfte. Ein besonderes Lob gilt den sechs Trompeten beim Triumphmarsch, die diesmal in den vorderen Logen des ersten Rangs platziert waren. Auch der von Christian Günther einstudierte Chor brillierte in seinen Szenen, hier insbesondere die Chorherren in der Gerichtsszene. Am Schluß gab es Ovationen für alle Beteiligten.

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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