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Berlin, Komische Oper Berlin, LE GRAND MACABRE, IOCO Kritik, 21.04.2013

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Gilberto Giardini
21. May 2013
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Komische Oper Berlin © IOCO
Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin 

LE GRAND MACABRE. Wiederaufnahme nach 10 Jahren. 21.04.2013

Nach einer zehnjährigen Pause fand am 21.04.2013 die Wiederaufnahme der Oper von György LigetiLe Grand Macabre“, in der Inszenierung von Barry Kosky statt. 

Die Oper in zwei Akten nach „La balade du Grand Macabre von Michel de Ghelderod 1934 geschrieben, wurde von György Ligeti, rumänisch-ungarisch-jüdischer Herkunft, Ende der ‘70er Jahre komponiert und in den späten ‘90er Jahren noch mal zur endgültigen Fassung überarbeitet.

Das Werk, zwischen Avangarde und Postmoderne, handelt vom durch den Tod, (hier Nekrotzar genannt) angekündigten angeblich bevorstehenden Weltuntergang durch einen gewaltigen Kometen.

Ein unkonventioneller Stoff zwischen Farce und Mysterienspiel, vom Suchen und Kämpfen, Leben und Sterben des Menschen in einer Ironisierung des Todes als „komische Type“. Skurril und voller Bösartigkeit und Vulgarität, aber auch poetisch.

Musikalisch ist es eine Mischung aus Schallkulisse und einer Collage-Klangwelt, in der Ligeti Musikwerke von Monterverdi und Bach, über Beethoven bis hin zu Rossini oder Schubert aufgreift, nebeneinander stellt oder verwandelt und gleichwertig mit Autohupen und Türklingeln verbindet. In Form eines großen Sammelsuriums  musikalischer Zitaten und „gefundener Objekte“, kreiert er einen akustischen Kosmos von dämonisch-komischer Ästhetik.

Die neueinstudierte Produktion der Komischen Oper glänzt hier vor allem in der musikalischen Darbietung. Grandios wie hier sowohl das Orchester, unter der hervorragenden Leitung des schweizer Dirigenten Baldur Brönnimann, wie auch das ganze Sängerensemble diese zwar äußerst interessante aber extrem diffizile Musik gestalteten.

Bewundernswert, wie die bestens besetzten Sänger die schwierigen vokalen Partien gestalteten und sich auch darstellerisch ihrer Interpretation mit vollem Körpereinsatz hingaben. Allen voran die aus Norwegen stammende Sopranistin Eir Inderhaug, die mit beeindruckender Bravour die zahlreichen mörderischen Höhen ihrer beider Rollen, der Venus und des Chefs der Geheimen Politischen Polizei Gepopo, meisterte, der amerikanische Tenor Chris Merritt als Piet vom Faß, der Österreicher Claudio Otelli als Sensemann Nekrotzar, mit seinem ausdrucksreichen Bassbariton und Jens Larsen in der Rolle des Astradamors.

Nicht weniger beeindruckend und ebenfalls nennenswert auch die Leistung aller weiterer Interpreten: Julia Giebel und Annelie Sophie Müller als Liebespaar Amanda und Amando; Michaela Lucas als Mescalina; Tansel Akzeybek und Carsten Sabrowski als Weißer und Schwarzer Minister; Bernhard Hansky, Bogdan Talos und Hans-Jörg Bertram als Ruffiack, Schobiack und Schabernack.

Die absurde Handlung ist von Barry Kosky, in der Ausstattung von Peter Corrigan, in grotesken und obszönen Bildern gezeichnet. Eine Obszönität, die sich in jeder Form sexueller Aktivität äußert, jedoch in einer Zeit, wo der Zuschauer von solchen Bildern durch sämtliche Medien übersättigt ist, leider eher eine langweilende Wirkung hat und entzieht dadurch der Inszenierung an Originalität.

Nichts desto trotz kreiert Kosky durchaus auch starke, skurrile und amüsante Bilder – besonders im zweiten Teil der Aufführung. Man kann jedoch erfreut feststellen, dass der australische Regisseur und heutige Intendant der Komischen Oper Berlin sich inzwischen wesentlich weiterentwickelt hat.

IOCO / Gilberto Giardini  / 21.04.2013

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