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Berlin, Komische Oper Berlin, Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue, IOCO Kritik, 14.06.2022

Rainer Maaß
14. June 2022
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin © IOCO
Komische Oper Berlin © IOCO

Barrie Kosky´s All-Singing, All-Dancing Jiddish Revue

Khosheve damen un hern, leydis un dzentlman, brukhim hahoim in di katskil-berg!

von Rainer Maass

Ein besonderer Mann, ein besonderer Abend.  Zehn Jahre war Barrrie Kosky Intendant der Komischen Oper Berlin. Er führte dieses Haus überaus erfolgreich. Vor seiner Zeit mit klassischen Produktinen und mäßigem Besucherzahlen (Auslastung) wenig auffällig entwickelte sich die Komische Oper Berlin unter seiner Leitung mit international gesuchten Produktionen und über 90% Auslastung zu einem der führenden Musiktheater im deutschen Sprachraum. Seine Inszenierungen haben die Komische Oper Berlin so weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt gemacht. Am 10 Juli 2022 wird er diese Aufgabe abgeben.

Barrie Kosky´s All-Singing, All-DancingYiddish Revue
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Am Freitag nun war Premiere für die letzte Produktion unter seiner Ägide. Sie sollte etwas ganz Außergewöhnliches werden. Keine Oper, keine Operette, keine Abschiedsparty. Doch sie war alles und noch viel mehr. Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Jiddish Revue entführte das Publikum in die Catskill Mountains in den 1950iger Jahren. Dort, in den Bergen oberhalb von New York City, verbrachten viele jüdische Familien aus dem heißen New York City ihre Sommerferien in den Hotels und Sommercamps. So entstand eine jiddische Ostküsten Kultur. Es gab elegante Clubtheater, aufwändige Shows und Revuen. Fast jede*r später weltberühmte jüdische Darsteller*in trat dort auf. Der junge Mel Brooks ebenso wie Bette Midler und Sammy Davies Jr. Dass und wie auf den Bühnen getanzt wurde, wissen wir Deutschen durch einen der berühmtesten Hollywood-Filme: Dirty Dancing. Made in Kellerman‘s Catskill Mountains Hotel.

Vor diesem Hintergrund entwickelte Kosky zusammen mit Choreograf Otto Pichler und Dirigent Adam Benzwi die Idee für seine Revue. Eine Abfolge von 21 höchst unterschiedlichen Nummern. Berührende Liebeslieder gefolgt von schrillen Kostümorgien und gesungenen oder getanzten Sketchen. Jede Nummer wurde mit einem jiddischen Fantasiekünstlernamen angekündigt. Wie Yoselle Rosenblatt and his Flat Foozy Boys oder Ruben Zellmann and the Choir of Temple Beth Ammanuel. Dahinter verbargen sich viele Künstler*innen, die Barrie Kosky bei den Erfolgen der letzten Jahre begleitet haben. Und die er natürlich in seiner Abschieds-Produktion als Intendant dabeihaben wollte. Dazu zählen die Geschwister Pfister, Katharine Mehrling und Dagmar Manzel. Sie alle sangen auf Jiddisch, eine dem Deutschen nahe Sprache, die nach dem Holocaust heute nur noch von rund 1,5 Millionen Menschen im Alltag genutzt wird, viele davon orthodoxe Juden in Jerusalem oder New York. Ein Aniegen von Barrie Kosky war es immer, das Jiddische wieder stärker als „normale“ Sprache im Bewusstsein zu verankern.

Komische Oper Berlin / Barrie Kosky´s All-Singing, All Dancing Yiddish Revue © Monika Ritteshaus
Komische Oper Berlin / Barrie Kosky´s All-Singing, All Dancing Yiddish Revue © Monika Ritteshaus

Nicht nur das Zuhören auch das Zusehen machte Freude. So ergoß sich zum Donauwalzer ein schier endloser Vorhang auf die Bühne, aus der Alma Sadé wie aus dem Meer geboren erscheint. Tänzerinnen schwebten mit riesigen Büscheln aus wippenden Federn auf dem Kopf anmutig vorüber. Natürlich durfte bei dieser Inszenierung Max Hopp nicht fehlen. Angekündigt für die Nummer als „Max Hoppelsteiner“, brilliert er mit einem wunderbaren Stand-up-Comedy Auftritt. Unter anderem erzählt er die Geschichte von „Herschel, the Magnificent Jew“ so herrlich schlüpfrig, dass das Publikum Tränen lachte.

Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Revue ist der “köstliche, entzückende Bonbon“, mit dem er die letzten zehn Jahre an diesem Haus abschließen will. Ihm ist wichtig, so sagt er im Interview, dass die Nazis die jüdische Kultur nicht getötet haben. Sie ist einfach woanders hingegangen. Diese Revue ist für Kosky ein weiterer Versuch, dem deutschen Kultur Snobismus ein wenig die Augen für ein anderes Kapitel des kulturellen Lebens zu öffnen.

Der rauschende Beifall am Ende der Premieren Vorstellung und die persönlichen Ovationen für Barrie Kosky zeigen die Offenheit und Begeisterung der Zuschauer für diesen Weg.

PS:  Wenn Sie bis hier gelesen haben:  Khosheve damen un hern, leydis un dzentlman,  brukhim hahoim in di katskil-berg... heisst schlicht..   Sehr verehrte Damen und Herren, herzlich willkommen in den Catskill Moutains

Barrie Kosky’s All-Singing, All-Dancing Yiddish Revue an der Komischen Oper Berlin; die weiteren Termine – link HIER!

—| IOCO  Kritik Komische Oper Berlin |–


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