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Osnabrück, Theater am Domhof, Singin´ in the Rain – Kultmusical, IOCO Kritik, 12.03.2022

Hanns Butterhof
12. March 2022
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd
Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Singin’ in the Rain – Kultmusical von Betty Comden und Adolph Green

– Ohne jede Angst vor der Klamotte –

von Hanns Butterhof

Wieder strömt Regen auf die Bühne des Theater am Domhof, wieder will der Beifall des Publikums nicht enden. Doch diesmal steht keine tragische Oper auf dem Programm, sondern mit Singin’ in the Rain eine ausgesprochen kurzweilige Musical-Komödie.

Singin’ in the Rain von Betty Comden und Adolph Green erzählt eine Liebesgeschichte mit viel Gesang und tollem Tanz auf dem Hintergrund des Übergangs vom Stumm- zum Tonfilm. Der brachte für manchen Stummfilm-Star das jähe Ende seiner Karriere. In den prächtigen Bühnenbildern von Darko Petrovic, die vielfältig an Hollywoods Glanzzeit erinnern, erfährt dieses Schicksal Lina Lamont (Susann Vent-Wunderlich), die strahlende Diva an der Seite ihres Traumpartners Don Lockwood (Alexander von Hugo). Sie ist weder intellektuell noch stimmlich den Anforderungen der neuen Technik gewachsen. Ihr Stern erlischt tragisch, als das dem Publikum deutlich wird.

Theater Osnabrück / Singin´in the Rain hier Alexander von Hugo tanzt und singt als Don Lockwood im Bühnenregen © Stephan Glagla
Theater Osnabrück / Singin´in the Rain hier Alexander von Hugo tanzt und singt als Don Lockwood im Bühnenregen © Stephan Glagla

Parallel dazu geht strahlend der Stern der Theater-Schauspielerin Kathy Selden (Valentina Inzko Fink) auf, die eigentlich nur als Synchron-Stimme für Lina vorgesehen war. Die Strippen zu diesem Coup ziehen zwei Männer, der Musiker Cosmo Brown (Michael Ernst) und sein Freund Lockwood, der in Kathy verliebt ist.

In dieser Konstellation ist viel Raum für vielfältige Gefühle, und Regisseur Ansgar Weigner schlägt sich entschieden auf die Seite der Komik, ohne die Klamotte zu scheuen. Die Schwarzweiß-Film-Einlagen sind zum Schreien komisch, die Dialoge spritzig und nirgends platt.

Den Preis für das Gelächter zahlt Linda Lamont nicht nur mit Torte im Gesicht. Susann Vent-Wunderlich zeichnet sie umwerfend als strohdumm und eitel, lispelnd und nur zu quäkenden Tönen fähig. Großartig, mit welcher schauspielerischen Selbstverleugnung und stimmlichen Präzision sie falsch singt.

Dass die Regie sie so in die Pfanne haut, verführt unwiderstehlich dazu, Tränen zu lachen, selbst wenn man sieht, dass Linda Lamont nicht nur unfähig und Opfer des technischen Fortschritts ist. Sie ist auch Opfer der irrsinnig männlich geprägten Hierarchie der Filmstudios, vom rein profitorientierten Produzenten (Mark Hamman) und eitlem Regisseur (Jan Friedrich Eggers) bis zum männlichen Star. Alle lassen Linda fallen, sobald sie den Erfolg nicht mehr garantiert. Bei Don Lockwood kommt hinzu, dass er in die jüngere Kathy verliebt ist, die er an Lindas Stelle als seine Traumpartnerin ins Rampenlicht schiebt.

Theater Osnabrück / Singin´ in the Rain hier Don Lockwood schiebt Kathy Selden ins Rampenlicht, vl Michael Ernst, Alexander von Hugo, Valentina Inzko Fink, hinten Susann Vent-Wunderlich © Stephan Glagla
Theater Osnabrück / Singin´ in the Rain hier Don Lockwood schiebt Kathy Selden ins Rampenlicht, vl Michael Ernst, Alexander von Hugo, Valentina Inzko Fink, hinten Susann Vent-Wunderlich © Stephan Glagla

Alexander von Hugo als schöner Lockwood, dem die nicht nur weiblichen Fans zu Füßen liegen, trägt seinen Teil zur hinreißenden Komik bei. Vor allem singt er gefühlvoll und steppt mitreißend im Bühnenregen. In seinem Schatten steht sein Partner und Freund Cosmo Brown, dem Michael Ernst mit schier unbändiger Energie singend und tanzend eine mitreißende Statur gibt. Er ist es, dem man ein happy end mit Kathy gewünscht hätte. Der uneitlen, begabten Schauspielerin sichert Valentina Inzko Fink mit berückendem Gesang und Tanz alle Sympathien des Publikums, das ihr den Erfolg umfassend gönnt.

Zu dem schwungvollen Bühnengeschehen tragen ganz wesentlich auch der von Sierd Quarré prächtig einstudierte Chor und die Dance Company des Theaters bei, beide von Andrea Danae Kingston tänzerisch ansehnlich in Form gebracht. Und das Osnabrücker Symphonieorchester unter der temperamentvollen Leitung von An-Hoon Song steuert Swing und einen strahlenden Broadway-Sound bei.

Die in allen Teilen gelungene Produktion hat nach zweieinhalb Stunden Dauer den nicht enden wollenden Schlussbeifall des in schwieriger Zeit ausgezeichnet unterhaltenen Premierenpublikums vollauf verdient

Singin´in the Rain – Theater Osnabrück; die nächsten Termine: 12., 17., 25., 26.  März; 9.; 10.; 17.; 27.4. 2022, link HIER!

—| IOCO Kritik Theater am Domhof |—


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