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Marchfeld Strasshof, KUMST, Der Vogelhändler – Carl Zeller, IOCO Kritik, 13.12.2021

Marcus Haimerl
12. December 2021
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KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal
KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

Kulturzentrum Marchfeld Strasshof bei Wien

Der Vogelhändler  –  Carl Zeller

Oper@Tee – mit einer sprühenden Operette im KUMST

 von Marcus Haimerl

Mit der Operette Der Vogelhändler von Carl Zeller verabschiedet das Ensemble Oper@Tee (www.wieneroperette.at) sein Publikum in den bundesweiten Lockdown und ermöglicht diesem noch zwei vergnügliche Abende, ehe die Kultur in Österreich für wenigstens drei Wochen erneut stillsteht.

Carl Zeller (1842-1898) ist für die Wiener neben Franz von Suppè (1819-1895), Johann Strauß Sohn (1825-1899) und Karl Millöcker (1842-1899) der vierte Operettenkomponist der sogenannten „Goldenen Ära“. Bis zum heutigen Tage hat vor allem seine Meisteroperette Der Vogelhändler einen entscheidenden Anteil an dieser Wertschätzung.

KUMST / Der Vogelhändler hier Alice Waginger, Ellen Halikiopoulos © Marcus Haimerl
KUMST / Der Vogelhändler hier Alice Waginger, Ellen Halikiopoulos © Marcus Haimerl

Das Libretto von Moritz West und Ludwig Held basiert auf dem Vaudeville Das Gänsemädchen (Ce que deviennent les roses) der französischen Dichter Victor Varin und Edmond de Bieville aus dem Jahr 1857 und wurde von den beiden Librettisten in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Rheinpfalz angesiedelt.

Die Uraufführung der Operette Der Vogelhändler fand am 10. Jänner 1891 im Theater an der Wien statt, Regie und Inszenierung stammten von Franz Jauner.

Die Handlung der ab 1908 auch mehrfach verfilmten Operette beginnt mit einer geplanten Jagd des Kurfürsten, der diese jedoch kurzfristig absagt. Baron Weps der von den Bewohnern eines Dorfes im Jagdrevier einen Empfang mit Wildschwein und einer Ehrenjungfer samt einer Hinterlegungssumme verlangt hat, will die Kaution nun hinterziehen und gibt seinen hoch verschuldeten Neffen Stanislaus als Kurfürsten aus. Auch der titelgebende Vogelhändler Adam ist aus seinem Heimatland Tirol eingetroffen. Er ist mit der Postbotin Christel verlobt, kann diese aber, mangels einträglicher Stellung noch nicht ehelichen. Deshalb will sie den Kurfürsten bitten, ihm eine Stellung als Menageriedirektor zu verschaffen. Sie überreicht Stanislaus, in seiner Rolle als Kurfürst, die Bittschrift, die dieser aber nur mit ihr allein im kurfürstlichen Jagdpavillon besprechen will. Inzwischen ist auch die Kurfürstin Marie, verkleidet als Bauernmädchen, eingetroffen, um ihren als Schürzenjäger bekannten Gatten nachzuspionieren. Adam hält sie für ein einfaches Mädchen und macht Marie den Hof. Als sie ihm zum Trost einen Rosenstrauß schenkt, hält er diese Geste für eine Liebeserklärung. Als er zudem erfährt, dass Christel mit dem Kurfürsten allein im Pavillon war, löst er die Verlobung auf.

Obwohl Adam vor der Prüfungskommission dumme Antworten gibt, wird er auf Wunsch der Kurfürstin zum kurfürstlichen Menageriedirektor ernannt. Inzwischen hat diese herausgefunden, dass ihr Gemahl gar nicht anwesend ist und entlarvt mit Hilfe von Christel Stanislaus als den falschen Kurfürsten. Adam soll seine Strafe bestimmen: Kassation als Offizier oder Ehe mit Christel. Zum Schrecken der Hofdame Adelaide, die sich schon als seine Braut fühlte, wählt Stanislaus die Ehe.

Die Hochzeit wird vorbereitet, doch Christel will von Stanislaus nichts wissen. Adam ist nach dem Verlust seiner Braut am Boden zerstört, jedoch findet alles ein glückliches Ende, nachdem sich aufgeklärt hat, dass die Kurfürstin das Bauernmädchen Marie war. Baron Weps macht Adelaide einen erfolgreichen Heiratsantrag und auch Adam und Christel versöhnen sich wieder.

KUMST / Der Vogelhändler hier Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer,Maida Karisik, Manfred Schwaiger © Marcus Haimerl
KUMST / Der Vogelhändler hier Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer,Maida Karisik, Manfred Schwaiger © Marcus Haimerl

Die Regie lag in den Händen von Anna Borodina, die auch schon für andere Operetten des Ensembles Oper@Tee, wie Johann Strauss‘ Die Fledermaus, verantwortlich zeigte. Die Hintergrundkulisse zeigt im ersten Akt einen Wald, im zweiten Akt einen herrschaftlichen Saal und im dritten Akt einen Barockgarten. Mit einigen wenigen Ausstattungsstücken wie einem Tisch, einem Sofa oder gar einem Briefkasten entfaltet sich die ebenso kluge wie unterhaltsame Personenführung der russischen Regisseurin.

In der Rolle der Kurfürstin Marie brilliert Ellen Halikiopoulis sowohl gesanglich mit ihrem kräftigen, schönen Sopran als auch mit ihrer intensiven Darstellung. Als hochnäsige, Ehemann suchende Hofdame Adelaide überzeugt die Mezzosopranistin Maida Karisik mit viel Humor. Mit viel Witz begeistert auch Manfred Schwaiger als beeindruckender kurfürstlicher Wald- und Wildmeister Baron Weps.  Der südkoreanische Tenor Lucas Juhyuk Kim überzeugt mit eindrucksvollem Tenor in der Partie des Grafen Stanislaus. Auch Bariton Michael Pinsker darf sich erneut von seiner humorvollen Seite zeigen und verkörpert als Bürgermeister Schneck und Professor Süffle auch mit eindrucksvoller Stimme. Großartig Branimir Agovi, der für die Rolle der dreifach verwitweten Bürgermeisterstochter Emmerenzia in Frauenkleider schlüpft und auch als Professor Würmchen gesanglich und darstellerisch zu begeistern vermag.

In der titelgebenden Rolle als Adam, der Vogelhändler aus Tirol erlebt man Hans-Jörg Gaugelhofer. Er darf nicht nur mit einigen der schönsten Melodien dieser Operette („Grüß euch Gott alle miteinander“ oder „Schenkt man sich Rosen in Tirol“) begeistern, sondern überzeugt auch mit seinem nahezu authentisch klingenden Tiroler Akzent. In der nicht weniger bekannten Partie der Postbotin Christel glänzt Alice Waginger, die den Anforderungen dieser Rolle mit Leichtigkeit gewachsen scheint, aber auch dieser Rolle mit viel Witz und Humor viel Sympathisches verleiht.

Die musikalische Leitung lag in den Händen von Davorin Mori, der sich am Klavier nicht nur als hervorragender Solist, sondern vielmehr auch als einfühlsamer Begleiter hervortun konnte.

Entsprechend dankbar zeigte sich das Publikum, welches mit Jubel für einen unterhaltsamen und musikalisch hochwertigen Abend bedankte.

Es bleibt zu hoffen, dass eine baldige Wiederaufnahme in den derzeit schwierigen Zeiten möglich ist

—| IOCO Kritik Kulturzentrum Marchfeld Strasshof |—


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