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Hamburg, Staatsoper Hamburg, La Traviata – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 08.12.2021

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Wolfgang Schmitt
08. December 2021
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann
Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

LA TRAVIATA – Giuseppe Verdi

– Pretty Yende – eine überwältigende Kameliendame –

von Wolfgang Schmitt

 Alphonsine Plessis, Paris, Violetta und Kameliendame des realen Lebens © IOCO
Alphonsine Plessis, Paris, Violetta und Kameliendame des realen Lebens © IOCO

Über diese in sich nicht so recht schlüssige Rummelplatz-Inszenierung aus dem Jahr 2013 von Johannes Erath mit den vielen Autoscootern –  auf der Bühne und vom Bühnenhimmel hängend, siehe Foto unten – ist auch an dieser Stelle bereits viel geschrieben worden. Eine Handlungsverknüpfung von Giuseppe Verdis La Traviata mit Alexandre Dumas‘ Kameliendame wollte nicht so recht gelingen und konnte sich dem Zuschauer nicht wirklich erschließen – sei’s drum.

Dieser Abend brachte die Begegnung mit der in Südafrika geborenen jungen Koloratursopranistin Pretty Yende, welche die Violetta bereits an der Pariser Oper und an der Wiener Staatsoper gesungen hat. Und man kann behaupten, sie eroberte die Herzen des Hamburger Publikums im Sturm mit ihrer wunderschönen edlen Soprantimme, mit herrlich perlenden Koloraturläufen, perfekt sitzenden Spitzentönen, ihrer intensiven, gefühlvollen Darstellung gepaart mit vokaler Leuchtkraft und Sinnlichkeit, und natürlich auch mit ihrer außerordentlich aparten Erscheinung und ihrer charismatischen Bühnenpräsenz.

Staatsoper Hamburg / La Traviata hier Pretty Yende ist Violetta © Kim Fox
Staatsoper Hamburg / La Traviata hier Pretty Yende ist Violetta © Kim Fox

Bereits beim „Libiamo“ ließ ihre Stimme aufhorchen, „E strano“ offenbarte ihre lyrischen Qualitäten, in „Sempre libera“  strömten Lebensfreude und Leidenschaft und es erklangen bombensichere, kristallklare  Koloraturen. Den vierten Akt gestaltete sie voller Innigkeit, mit herrlichen Legati, sanft und ausdrucksvoll in der Mittellage. Besonders berührende Momente hatte sie auch im zweiten Akt in der großen Szene mit Giorgio Germont, und im Schlußduett „Parigi o cara“ mit ihrem Alfredo. Dieser war der aus der Ukraine stammende Tenor Dmytro Popov. Er verfügt über einen ausdrucksstarken, metallischen und dennoch warm timbrierten, in allen Lagen sicher geführten Spinto-Tenor. Die oftmals gestrichene Stretta gelang ihm vorzüglich mit präzisen Spitzentönen, seine Szenen und Duette mit Violetta gestaltete er klangschön, feurig und leidenschaftlich, im dritten Akt expressiv und fast schon brutal in der Vergewaltigungsszene, dann wieder besonders gefühlvoll mit fein dosierter Stimmführung im letzten Bild.

Andrzej Dobber sang den Vater Giorgio Germont ausdrucksvoll und brilliant. Seine große Szene mit Violetta im zweiten Akt war wunderbar und das Zusammenspiel der beiden hatte etwas anrührendes, hoch emotionales. Kristina Stanek hatte die Partie der Flora übernommen, präsentierte ihre pastose Alt-Stimme und vollführte graziös ihren Tanz über die aufgereihten Autoscooter. Stellvertretend für die übrigen Mitwirkenden in den kleineren Partien seien hier Bernhard Hansky als Baron Duphol, Renate Spingler als Annina und Peter Galliard als Gastone genannt, die ihre mannigfachen Aufgaben engagiert absolvierten.

Staatsoper Hamburg / La Traviata hier Szenefoto © Monika Rittershaus
Staatsoper Hamburg / La Traviata hier Szenefoto © Monika Rittershaus

Das Philharmonische Staatsorchester hatte unter der Leitung von Alexander Joel einen guten Abend, spielte schwungvoll, die Sänger wurden aufmerksam begleitet, noch schöner wäre es gewesen, wenn die Blechbläser im ersten und dritten Akt nicht allzu fulminant aufgetrumpft hätten, die allzu lauten „umtatas“ klangen schon sehr nach einer Schützenvereins-Blaskapelle. Am Ende gab es „standing ovations“ für Pretty Yende, aber auch für Dmytro Popov.

La Traviata an der Staatsoper Hamburg; die weiteren Termine 9.12.; 14.12.; 16.12.2021; 4.3.; 6.3.; 17.3.; 20.3.2022

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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