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Paris, Opéra Comique, Welturaufführung – LES ÉCLAIRS – von Philippe Hersant, IOCO Kritik, 15.11.2021

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Peter Michael Peters
15. November 2021

l´Opéra Comique Paris © Sabine Hartl, Olaf-Daniel Meyer
l´Opéra Comique Paris © Sabine Hartl, Olaf-Daniel Meyer

l´Opéra Comique Paris

Uraufführung – LES ÉCLAIRS  – Oper von  Philippe Hersant

 – über NIKOLA TESLA, Erfinder und Humanist in der neuen Welt –

von Peter M. Peters

Spätestens seit Ravel, einem im Jahre 2006 erschienenen Roman, wissen wir, dass Jean Echenoz (*1947) eine Vorliebe für die Musik (und auch für Musiker) hat. Wir haben es übrigens schon lange vorher begriffen! Denn schon vor Cherokee (1983), was eine Anspielung auf den Jazz war, hatte schon Le Méridien de Greenwich (1979), sein erster Roman, etwas unbestreitbares musikalisches: Der Rhythmus (mit einer Vorliebe für Synkopen) und die Farben – es sieht fast so aus wie Klangfarben – die Worte, die subtile Kunst der Variation sind. Echenoz‘ Werke verstehen es sich Gehör zu verschaffen: Anne-Marie Lazarin (*1952) hatte dies eindrucksvoll unter Beweis gestellt, indem sie 2013 Ravel im Artistic Théâtre in Paris auf die Bühne brachte. Für die Oper Les Éclairs (Die Blitze) von Philippe Hersant (*1948), eine Welturaufführung an der Pariser Opéra Comique, präsentierte der Autor eine Adaption seines Romans Des Éclairs (2010). Sein drittes und letztes Werk in der Reihe Imaginäre Leben, diesmal über Nikola Tesla (1856-1943), Erfinder und Humanist, unter anderem des Wechselstroms. „Das Libretto greift die allgemeine Argumentation des Buches auf, aber in einer anderen Organisation“, erklärt Echenoz: „Die Charaktere, Orte, Situationen und Dialoge wurden neu erstellt, um der singulären Form der Oper zu dienen“.

Les Eclairs – Oper über den Erfinder und Humanist Nikola Tesla
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Ein musikalisches Spannungsfeld…

Wie sehr er es versteht, auf die Fantasien seiner Zuhörer und seiner Bühnenfiguren einzugehen, hat Philippe Hersant bereits mehrmals gezeigt, insbesondere in Les Visites Espacées (1982) Kammeroper, Libretto von Jean-Claude Buchard (*1950), Le Château des Carpathes (1992), Libretto von Jorge Silva-Melo (*1948) nach Jules Verne (1828-1905) und Le Moine noir (2005), Libretto: Yves Hersant (*1944) nach Anton Tchekhov (1860-1904) alle seine Werke sind große Erfolge der zeitgenössischen Oper.

Philippe Hersant ist heute einer der bekanntesten Komponisten in der Musikwelt. Beeinflusst von den Musikern die er liebt, aber auch von seiner großen Neigung zur Literatur. Der Franzose erschaffte sich ein Klanguniversum, das nur ihm allein gehört und komponiert ein reiches, tiefes, reichhaltiges, abwechslungsreiches Werk, das ein Gefühl purer Freiheit vermittelt!

Im Jahre 1970, geht er für zwei Jahre als Stipendiat an die Casa Velasquez in Madrid. Nach seiner Rückkehr lehrte er an der musikwissenschaftlichen Fakultät von Paris IV – Sorbonne, gleichzeitig arbeitete er für France Musique: Er moderierte Konzerte und entwickelte diverse Sendungen zur Musikgeschichte. Er ist schon dreißig Jahre und in Rom, wo er wirklich mit dem Komponieren begann. Hier entwickelte er seine persönliche Musiksprache und begann mit Werken für große Musikformationen.

Opera Comique / Les Eclairs hier Marie-Andrée Bouchard-Lesieur (Ethel Axelrod) und Jean-Christophe Lanièce (Gregor) © Dr S Brion
Opera Comique / Les Eclairs hier Marie-Andrée Bouchard-Lesieur (Ethel Axelrod) und Jean-Christophe Lanièce (Gregor) © Dr S Brion

1985 wandte er sich der Kammermusik und der Melodie zu, für die er insbesondere Lebenslauf (1992) komponierte, einem Zyklus mit 6 Melodien für Sopran und Kammermusikensemble nach Gedichten von Friedrich Hölderlin (1770-1843). Auch entstanden Miniaturen: Wie Acht Duette für Bratsche und Fagott (1995) oder die Fünf Miniaturen für Flöte und Bratsche (1995).

Der Werkkatalog von Hersant spiegelt seine intimen Verbindungen zur Literatur, Poesie und dem Theater wider, wie z.B.: Landschaft mit Ruinen (2005) für Orchester und Mezzosopran inspiriert nach dem Werk des expressionistischen Dichter Georg Trakl (1887-1914) oder auch Illuminations (1998) für gemischten Chor nach Arthur Rimbaud (1854-1891), usw. Inspiriert von der kinematografischen Welt arbeitete er mit Nicolas Philibert (*1951) insbesondere für den Film: Être et avoir (2002). Er komponierte im Auftrag der Opéra de Paris das Ballett Wuthering Heights (20O2) nach dem Roman von Emily Brontë (1818-1848) für den Tänzer und Choreografen Kader Belarbi (*1962).

Hersants Musik ist im Wesentlichen konsonant, die Dissonanz greift nur ein, um die Konsonanz zu verstärken. Seine Sprache impliziert die Integration der Musik aus allen Epochen, denn er betrachtet die Kunst nicht als in Epochen gegliederte Zeiträume. In seiner Musik sucht er die Balance zwischen großer zeitlicher Freiheit und einer gewissen formalen Evidenz! Als Humanist, lässt er uns seine großartige Kultur gewissermaßen hören, denn er komponiert auch für unser Vergnügen: Ein sehr abwechslungsreiches Repertoire!

Les Eclairs – hier Einführung von Komponist Philippe Hersant und Librettist Jean Echenoz
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Der Dompteur des Blitzes in der populären Kultur

Tesla ist in vielen Formen in der populären Kultur vertreten. Der serbisch-amerikanische Ingenieur ist vor allem in der Science-Fiction vertreten, einem Genre, das für seine Erfindungen gut geeignet ist. Obwohl oft sehr übertrieben, basieren die fiktiven Varianten hauptsächlich auf seinen eigenen Behauptungen oder Ideen. Eine beliebte und wachsende Fixierung in der Science-Fiction und Comic-Literatur der spekulativen Geschichtenerzählern besteht darin: Tesla als Mitglied einer Geheimgesellschaft darzustellen, genau wie andere Koryphäen der Wissenschaft! Der Einfluss der Technologie ist ein wiederkehrendes Thema im „Steampunk“, eine Art alternative musikalische Science-Fiction.

Aus der Punk-Szene stammend, kommt die „Steampunk-Bewegung“ aus den frühen 1980er Jahren. Bestehend aus dem Wort „Steam“, das „Dampf“ bedeutet und dem Wort „Punk“ beinhaltete sie Motive, die von der Dampfmaschine des 19. Jahrhunderts und auch von den traditionellen Werten der viktorianischen Ära inspiriert wurden.

Der religiöse Mystiker unter den Wissenschaftlern

78 Jahre nach seinem Tod ist Nikola Tesla heute eine große Informationsquelle nicht nur für die Wissenschaftler, sondern auch für die Künstler. Wir finden ihn als Figur in Filmen, Serien, Romanen, Comics-Bücher, Theaterstücken und musikalischen Werken. Seine Verehrer gründeten sogar eine Kirche: The Church of Tesla. Auch wenn dies überraschend erscheint, wurde Tesla in der Tat oft mit dem Religiösen und Göttlichen in Verbindung gebracht. In seiner Kindheit war er dazu bestimmt, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und orthodoxer Priester zu werden. Sein Vater musste jedoch schon früh seine wissenschaftliche Bestimmung akzeptieren, das Tesla für sich selbst gewählt hatte. In seinem Erwachsenenleben war sein Ruf, mit Vögeln kommunizieren zu können, seine Fähigkeit verletzte Tauben zu heilen, die Naturgewalten zu zähmen und zu nutzen. Seine Askese und schließlich sein Zölibat waren Eigenschaften, die halfen gewisse Personen sich an ihn zu binden wie als ein Messias.

New York, die expandierende Stadt, die Hauptstadt der industriellen Revolution, inspirierte Tesla, seinen Platz zu finden und seine kühnsten Ideen zu entwickeln. Seine Kindheit verbrachte er in einem kleinen Dorf (Smiljan, heute in Kroatien), zwischen einem Priestervater (Sohn eines Militärs der Großen Armee von Napoleon Ier / 1769-1821) und einer Mutter von außergewöhnlichen Intelligenz, die die Talente ihres Sohnes zu erkennen wusste und ermutigte ihn seine Träume zu verwirklichen. Es war im Jahre 1884: im Alter von 28 Jahren verließ Tesla Paris (wo er 1882 das Palais Garnier elektrifiziert hatte) um nach Amerika auszuwandern. Auf Ellis Island reduzierte sich sein Besitz auf einen Gedichtband, einem Empfehlungsschreiben und 4 Cents! Der Brief war an einen der berühmtesten amerikanischen Erfinder und Geschäftsmänner jener Zeit, Thomas Alva Edison (1847-1931), gerichtet. Tesla entdeckte zuerst ein Entwicklungsland! Fünf Jahre später schätzte er, dass Amerika Europa ein Jahrhundert voraus war. Er sollte seine Meinung nicht mehr ändern.

Opera Comique / Les Eclairs hier André Heyboer als Edison © Dr S Brion
Opera Comique / Les Eclairs hier André Heyboer als Edison © Dr S Brion

Tesla kümmerte sich um sein öffentliches Image und wusste es zu nutzen, um seine Ziele zu erreichen. Das Interesse an seinen Reden kann mit der Popularität der TED-Vorträgen von heute verglichen werden. Trotzdem wollte Tesla seinen Einfluss nie nutzen um Geld zu verdienen! Er war voller Wiedersprüche! Der Mann, den mehrere Zeugen als „Modefigur“ bezeichneten, war in Wirklichkeit ein einsamer Mensch, der die New Yorker High Society regelmäßig besuchte, doch während er gleichzeitig die notwendige Ruhe für seine neuen Erfindungen suchte. Nicht wie der zeitgenössischer Dandy Marcel Proust (1871-1922), der hin- und hergerissen ist zwischen seinem mondänen Leben und der Zurückgezogenheit, der das Schreiben voraussetzt. Obwohl Tesla viele Künstler inspirierte, so stimmte er nur einmal im Jahre 1916 für ein Porträt zu, indem er für Wilma Lwoff-Parlaghy (1863-1923) posierte. Er baute seine eigenen Scheinwerfer und beschloss vor einem sehr starken Licht, dass durch blaues Glas gefiltert wurde, zu posieren. The Blue Portrait (1913) wurde 2009 im NordseeMuseum in Husum wiederentdeckt. In der amerikanischen Oberschicht hatte Tesla einige Freunde, darunter den Schriftsteller Mark Twain (1835-1910), dessen Bücher er als Junge gelesen hatte. The Mysterious Stranger (1916), wurde sechs Jahre nach dem Tod von Twain als Frucht ihrer Freundschaft und ihres Gedankenaustauschs veröffentlicht.

Die enorme Popularität, die er zu Lebzeiten hatte, zeugt von einem ihm gewidmeten Archiv in einem Museum in Belgrad: Es handelt sich um ein Buch mit 73 Briefen, die Tesla anlässlich seines 75. Geburtstags im Jahr 1931 erhalten hatte. Geschrieben wurden sie von 73 der berühmtesten Persönlichkeiten der damaligen Zeit aus aller Welt und aus den unterschiedlichsten Bereichen: Wissenschaft, Politik und Kunst. Unter ihnen ist auch Albert Einstein (1879-1955)! Dieses Buch wurde ihm von dem Journalisten Kenneth Malcolm Sweezy (1904-1972) geschenkt, der in seinem Jubileumsjahr dazu beigetragen hatte, ihn auf das Titelbild des Time Magazine zu bringen. Sweezy wollte Tesla 75 Glückwunschbriefe zu seinem 75. Geburtstag überreichen, aber zwei kamen nie an: Einer der amerikanischen Wissenschaftler serbischer Herkunft Mihajlo Idvorsky Pupin (1858-1935), der sich weigerte zu schreiben mit der Begründung, er stehe nicht gut mit Tesla. Der andere war „Oscar von Waldorf“, der maître d‘hôtel des Waldorf-Astoria-Hotels, der Tesla jeden Abend bediente mit der Entschuldigung, dass er allen seinen Gästen völlige Diskretion schuldig war.

Tesla hat über 700 Patente in 35 Ländern angemeldet. Viele seiner Erfindungen brachten der Menschheit Fortschritt und Wohlstand. Als er starb, hatte er jedoch nur Schulden: „Nikola Tesla ist tot! Er ist arm gestorben, aber er war einer der nützlichsten Menschen die je gelebt hatten. Was er geschaffen hat ist großartig und wird mit der Zeit noch großartiger“, sagte der damalige Bürgermeister von New York, Fiorello Henry La Guardia (1882-1947). Tesla starb am 7. Januar 1943, dem orthodoxen Weihnachtsfeiertag. Seine Beerdigung fand am 12. Januar in The Church of St. John The Theologian in Manhattan statt, gefolgt von seiner Einäscherung. Auf Wunsch des Verstorbenen spielte sein Freund, der Geiger Zlatko Balokovic (1895-1965) zuerst das Ave Maria (1825) von Franz Schubert (1797-1828) und dann das serbische patriotische Lied Tama daleko. Im selben Jahr verlieh der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten Tesla posthum das Patent für das Radio, das Guglielmo Marconi (1874-1937) zuerst beanspruchte. Das gesamte Eigentum von Tesla wurde vom US-Geheimdienst als streng vertrauliche Dokumente beschlagnahmt.

Überschätzen wir Teslas Entdeckungen und Arbeiten, seinen Namen und sein Erbe, seine Bestrebungen und seine Ideale? Ob man seine Autobiografie oder Zeitzeugnisse liest, eines ist sicher: Das aus Licht und Schatten geschaffene Bild ist ebenso faszinierend wie unergründlich. Deshalb bringt jedes von ihm inspirierte Kunstwerk einen neuen Strahl in das Porträt seiner Persönlichkeit…

Literatur

Paul Auster (*1947) porträtiert Tesla in seinem Roman Moon Palace (1989). Er erscheint auch in dem Roman The Prestige (1995) von Christopher Priest (*1943) in der Gestalt eines Wissenschaftlers, der bereits ein Zellenschmelz-System entwickelt hat. Seine Rivalität mit Edison und seine Erfahrungen in „Colorado Springs“ werden in der Filmversion The Prestige (2006) von Christopher Nolan (*1970) erwähnt und der Charakter von Tesla wird von David Bowie (1947-2016) gespielt. Tesla ist auch einer der Protagonisten von Goliath (2011), dem dritten Band in Scott Westerfelds (*1963) Leviathan-Trilogie (2009). Unter dem Namen Gregor ist er die Hauptfigur von Echenoz’ Roman: Des Éclairs. Die Romanautorin Martine Le Coz (*1955) hat Tesla zwei Bücher gewidmet. Seine Biografie: L’Homme électrique (2009) blickt zurück auf den Menschen, auf seine genialen Blitz-Ideen, sein Leben, seinen wissenschaftlichen Weg. Eine humanistische Reflexion, die sich um die Geschichte: La Tour de Wardenclyffe (2011) handelt, einer einleitenden graphischen Novelle, die sich in den Vereinigten Staaten von Amerika der John F. Kennedy (1917-1963) Jahre abspielt: Wo Schreibstift und Pinsel aufeinandertreffen, Kinderzeichnungen, Zeitdokumente und desgleichen Botschaften von Tesla selbst, die er auf die andere Planeten sendete. Die These und seine Arbeiten werden ausführlich in La Route de Gakona (2009), einem Thriller von Jean-Paul Jody (*1953), behandelt und die auf eine besorgniserregende militärische Anwendung basiert, die seine Theorien beinhalten könnte! Er erscheint auch in Howard Phillips Lovecrofts (1890-1937) Novelle Nyarlathotep (1920), wo er öffentlich seine Erfindungen demonstriert und er zeigt sich als einer der vielen Avatare Gottes.

Opera Comique / Les Eclairs hier Marie-Andrée Bouchard-Lesieur (Ethel Axelrod) und Jean-Christophe Lanièce (Gregor) © Dr S Brion
Opera Comique / Les Eclairs hier Marie-Andrée Bouchard-Lesieur (Ethel Axelrod) und Jean-Christophe Lanièce (Gregor) © Dr S Brion

Comics

Tesla war einer der ersten Feinde vom Superhelden Superman (1940) von Jerry Siegel (1914-1996), Joe Shuster (1914-1992) und C. Nolan, als verrückter Wissenschaftler, der einen Todesstrahl unheilvoll gegen seine Widersacher schleuderte. Er ist auch im „Marvel-Multiversum“ durch die Serie: S.H.I.E.L.D. (1945) beinhaltet und ist als Antagonist der Agentur, sowie der fiktiven Mitarbeiter Howard Stark (1917) und Nathaniel Richards (1984) vertreten, die von Archie Goodwin (1937-1998) und Don Heck (1929-1995) erschaffen wurden. Auch inspirierte Tesla weitgehend das Comics-Buch: Vive l’Empereur aus der Serie Jour J (2011) von Stephane Gess (*1961), Jean-Pierre Pécau (*1955) und Fred Blanchard (1966). Tesla und sein Konzept der freien Energie sind ein Bestandteil der Manga Dimension W (2012) von Yuji Iwahara (*1981). Er erscheint in Band 10 des Comics-Buch Harry Dickson (1929) von John Flanders (1887-1964) und wird von Georgette Cuvelier und den Nazis gefangen genommen, um ihnen die Operation einer mysteriösen Waffe zu erklären, die einem von den Nephilim abstammenden Volk gestohlen wurde. Desgleichen erscheint er im ersten Band des Comics-Buch: Les Trois Fantômes de Tesla (2016) von Guilherme (*1969) und Richard (*1971) Marazano . Hier ist er der Mann mit dem Anagramm von Kaolin Slate. Er ist integriert in dem Comic-Buch der Serie Assassin’s Creed (2009) von Djillali Defali (*1972), indem er einer der Mitglieder der Mörder-Bruderschaft ist.

Unzählige Filme wurden inspiriert von Tesla und seinem Werk, u.a.: Das Geheimnis von Nikola Tesla (1980) von Krsto Papi? (1933-2013), Coffee and Cigarettes (2003) and Only Lovers Left Alive (2014) von Jim Jarmusch (*1953), Tomorrowland (2015) von Brad Bird (*1957), Tesla: Lumière mondiale (2017) von Matthew Rankin (*1980), Fragments from Olympus – The Vision of Nikola Tesla (2017) von Joseph Sikorski (*1975), The Current War: The Pioneers of Electricity (2017) von Alfonso Gomez-Rejon (*1972), Tesla Nation (2018) von Zeljko Mirkovic (*1972), Tesla (2020) von Michael Almereyda (1959).

Noch ein anderes musikalisches Werk über die Person des Nikola Tesla wurde in diesem Jahr am 5. September 2021 im Rahmen des Kunstfest Weimar am Nationaltheater Weimar in einer Welturaufführung mit großem Erfolg gezeigt. Der englische Komponist und ehemalige Drummer Stewart Copeland der Band The Police hat zusammen mit dem Librettisten und Schauspieler Jonathan Moore sein Werk Electric Saint genannt.

Les Éclairs – Welturaufführung – 02. November 2021 – Opéra Comique, Paris

An einem Premierenabend treffen sich im Grunde immer die Wer-ist-was-Leute zu einem rituellen nichtsagenden Stelldichein, oft zum Leide der Veranstalter, denn man kommt nicht nur für das Dargebotene, sondern oft nur für das Gesehen werden. Aber ohne weiter darauf einzugehen, wollen wir eine kleine Hommage an den scheidenden Direktor der Opéra Comique, Olivier Mantei zelebrieren. Denn das neuzeitliche musikalische Repertoire, die Kreation und die Auftragsarbeiten an junge Musiker waren bei ihm in sehr guten Händen.

Das „drame joyeux“ (wie das „dramma giocoso Don Giovanni) Les Éclairs in 4 Akten von Philippe Hersant mit einem Libretto von Jean Echenoz nach seinem Roman Des Éclairs wurde an diesem Abend vor einem erwartungsvollen Publikum das erste Mal gespielt. Der Beifall war frenetisch und begeistert! Der Komponist hatte eine handwerkliche gute Musik erarbeitet – die wie immer bei ihm – Musikstile und Komponisten aus allen Epochen integriert: Von der Symphonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ (1893) von Antonín Dvorák (1841-1904) über Jules Massenet (1842-1912) bis zur Repetitionsmusik von Philip Glass (*1937). Eine fließende Musiklinie mit einem wunderbaren Ergebnis für die Möglichkeiten der menschlichen Stimme! Auch der schön geschriebene Text integriert sich phantastisch in das Drama. Die außergewöhnliche Gestalt des Nikola Tesla hat die beiden Künstler inspiriert und zusammen geführt: Der hier den Namen Gregor erhält. Es wird eine Episode aus dem reichen Leben des großen Wissenschaftler erzählt. Die französische Dirigentin Ariane Matiakh mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem Chor Ensemble Aedes hat mit viel Einsatzfreudigkeit und großer Liebe zur Kreation eine außerordentliche Arbeit geleistet. Die Inszenierung von Clément Hervieu-Léger (Sociétaire de la Comédie Française) ist wie immer eine gute Arbeit mit dem natürlichen Einsatz für das Schauspielerische, desgleichen gilt für das Bühnenbild von Aurélie Maestre und den Kostümen von Caroline de Vivaise. Alle Künstler hatten einwandfreie professionelle Arbeit geleistet und eine große Einsatzfreudigkeit bewiesen!

Ja! handwerklich gut… professionelle Arbeit… natürliche Einsatzfreudigkeit… Aber? Ja „aber“ das? Was wir vermissten: Das Große, das Gewaltige, das grenzüberschreitende Neue, das aus dem Sessel Reißende! Denn für eine derartige visionäre und faszinierende Gestalt wie Nikola Tesla erwarteten wir eine intensivere und explosivere Deutung über ein wohl einmaliges Erinnerungsmaterial. Jedoch wir vermissten die Elektrizität und Hochspannung, den Enthusiasmus eines großen Erfinders und Humanisten. In dieser müden grauen Pappensilhouette von New York sah man nichts von den Crazy Thirtyies of The Big Apple. Die Personenführung dieser New Yorker war nicht mehr als eine bürgerliche Zuschaustellung, dazu tanzend in einem lächerlichen und miefigen Wochenendfest. Leider auch für die Musik und den Text hatten wir uns etwas mehr, d.h. viel mehr „wagen“ gewünscht! Das war alles mehr oder weniger eine von konservativer Muffigkeit begrenzte Salongemütlichkeit und keinerlei Blitze erschienen oder schossen in den Äther. Der Volksempfänger war kaputt! Es war nicht annähernd die spannungsgeladene Atmosphäre – noch der revolutionäre Mythos – über eines der größten Genies unserer Geschichte. Wir waren einfach nur enttäuscht!

Aber erfreulicherweise hatte die Besetzung mit jungen talentierten Sängern unseren recht negativen Eindruck ein wenig vergessen lassen. Der Bariton Jean-Christophe Lanièce interpretierte die tragende Rolle des Gregor (Tesla). Der junge Sänger hat nach einem Studium an der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler schnell eine ansehnliche Karriere – besonders in Frankreich – begonnen. Sein Gregor hatte die nötige humanistische Wirkung und seine Stimme berauschte mit einem edlen sonoren kupfernen Timbre. Auch fiel uns der Tenor François Rougier in der Rolle des Norman Axelrod auf. Er hat für sein junges Alter schon eine recht stattliche Karriere hinter sich. Sein angenehmes klares sattes Timbre hörten wir mit sehr viel Begeisterung. Die Journalistin Betty wurde von der Sopranistin Elsa Benoit mit einer traumhaftschönen kristallinen Stimme gesungen. Die Sängerin hat einige internationale Erfahrungen und war Mitglied der Bayerischen Staatsoper München. Die Rolle der Ethel Axelrod war mit viel Intelligenz und Bravour von der Mezzo-Sopranistin Marie-Andrée Bouchard-Lesieur vorgetragen. Auch hat sie schon einige internationale Verpflichtungen auf ihrem Terminkalender zu verzeichnen wie z.B. auf den Salzburger Festspielen. Die nicht sehr sympathische Rolle des Edison war mit höhnischer Gelassenheit von dem Bariton André Heyboer gesungen. Sein tiefes schon fast bassartiges Timbre war ideal für diese Interpretation. Eine weitere Rolle der Opernbösewichter… Parker war von dem Bariton Jérôme Boutillier mit einer schönen gleichmäßigen fließenden Stimme gemeistert.

Aber wie schon gesagt hat leider dieser Schöngesang von allen Mitwirkenden dem Werk in keiner Weise mehr Glaubwürdigkeit gegeben. Für unsere Sinne war es einfach zu poliert und zu artig, zu aalglatt und zu banal. Es hat nicht annähernd die Größe und den geschichtlichen sowie menschlichen Status eines Nikola Tesla erreicht.        PMP/11.11.2021

–| IOCO Kritik Opera Comique Paris |—


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