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Marchfeld, KUMST Strasshof, Der kleine Horrorladen – Musical im KUMST, IOCO Kritik, 26.10.2021

Marcus Haimerl
25. October 2021
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KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal
KUMST Kulturzentrum Machfeld Strasshof © Silvia Ceplichal

Kulturzentrum Marchfeld Strasshof

Der kleine Horrorladen – Musical – Alan Menken – Howard Ashman

– Musicalherbst Marchfeld im KUMST Strasshof

von Marcus Haimerl

Nach einer Corona-bedingten Verschiebung konnte im Oktober 2021 der Musicalherbst Marchfeld im Kulturzentrum Marchfeld Strasshof über die Bühne gehen.

Das Musical Der kleine Horrorladen (Little Shop of Horrors von Howard Ashman (Buch und Liedertexte) und Alan Menken (Musik) wurde am 6. Mai 1982 in New York uraufgeführt, die deutsche Erstaufführung fand am 6. Mai 1986 statt und zählt in Deutschland zu den am häufigsten aufgeführten Musicals ohne festen Spielort.

Das Musical basiert auf dem B-Film von Roger Corman aus dem Jahr 1960. Die Entstehung des Films geht auf eine Wette des Drehbuchautors Charles B. Griffith und dem Regisseur Roger Corman zurück. Bei der Premierenfeier ihres ersten gemeinsamen Films Bucket of Blood (1959) wetteten beide, dass es unmöglich sei, einen abendfüllenden Spielfilm in einer Woche komplett abzudrehen. Angeblich schrieben Griffith und Corman das Drehbuch an einem einzigen Abend. Die Schauspieler rekrutierte der Regisseur aus seinem Stab und diese begannen ihre Rollen drei Tage vor Drehbeginn einzustudieren. Für die Rolle des masochistischen Zahnarztpatienten wurde ein unbekannter Jungschauspieler namens Jack Nicholson engagiert. Die wichtigsten Aufnahmen wurden in nur zwei Tagen und einer Nacht abgedreht und das Budget betrug zwischen 27.000 und 34.000 US-Dollar. Der Kleine Laden voller Schrecken wurde zu einem der erfolgreichsten Billigproduktionen aller Zeiten.

KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Audrey II mit Christian Graf © Marcus Haimerl
KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Audrey II mit Christian Graf © Marcus Haimerl

Im Jahr 1980 griffen der Komponist Alan Menken und der Librettist Howard Ashman das Thema des Films auf und schufen, mit kleinen Veränderungen, ein erfolgreiches Musical, das am 1982 um die Welt ging und 1986 von Frank Oz mit James Belushi, Bill Murray und Steve Martin mit großem Aufwand (allein 36 Puppenspieler für die fleischfressende Pflanze Audrey II) verfilmt wurde und unter anderem zwei Oscars und zwei Golden Globes gewann.

KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Christian Graf und Monika Hoschatlek © Marcus Haimerl
KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Christian Graf und Monika Hoschatlek © Marcus Haimerl

Der Großteil der Geschichte des Musicals spielt im Blumenladen des Mr. Mushnik, im Vorort einer großen amerikanischen Stadt. Er holte die Hauptfigur Seymour Krelborn aus einem Waisenhaus und beutet ihn als Gehilfen im Geschäft gnadenlos aus. Die weibliche Hauptperson ist die Angestellte Audrey, die von Seymour geliebt wird, jedoch mit dem sadistischen Zahnarzt Orin Scrivello verlobt ist. Um eine Schließung mangels Kundschaft zu verhindern, wird als Rettungsversuch eine exotische Pflanze in das Schaufenster gestellt, die Seymour einem Chinesen abgekauft hat. Tatsächlich zieht die Pflanze namens „Audrey II“ Kunden an, allerdings scheint die Pflanze zu vertrocknen, Seymour versucht alles, die Pflanze zu retten. Als ein paar Tropfen seines Blutes auf die Pflanze fallen, wächst diese zusehends. Mit dem Wachstum der Pflanze, steigt auch der Umsatz des Blumenladens, aber auch seine Berühmtheit: Presse, Rundfunk und Fernsehen berichten über dieses wundersame Gewächs. Doch „Audrey II“ verlangt immer mehr Nahrung und überredet Seymour den Zahnarzt Orin Scrivello, Audreys Verlobten, zu töten. Seymour hat jedoch Glück, der Zahnarzt kommt durch einen technischen Defekt an einer Überdosis Lachgas ums Leben. Der Zahnarzt wird zerhackt und verfüttert. Mittlerweile ist Audrey II bereits so groß, dass sie Mr. Mushnik auf der Suche nach der Tageslosung verschlingt. Der Ruf der Pflanze ist mittlerweile so groß, dass diese auch Geschäftemacher anzieht. Einer schließt mit Seymour einen gut bezahlten Vertrag über Ableger von „Audrey II“ ab, um diese weltweit zu verkaufen. Aber immer noch verlangt die Pflanze nach mehr Nahrung und verrät Seymour dabei, dass die Beherrschung der Welt von Anfang an der Plan gewesen sei. Dieser beschließt nun, die Pflanze zu töten. In seiner Abwesenheit überlistet die Pflanze Audrey, die dabei schwer verletzt wird. Seymour gesteht Audrey, Menschen an die Pflanzen verfüttert zu haben. Kurz darauf stirbt Audrey, deren letzte Bitte war, ihren Körper der Pflanze zu überlassen. Nachdem er diesen Wunsch ausgeführt hat, nimmt er den Kampf mit der Pflanze auf, doch diese ist bereits zu stark und verschlingt auch ihren Züchter. Am nächsten Tag erscheinen die Händler und nehmen wie vereinbart die Ableger. Im Epilog warnen die drei Erzählerinnen vor bösen Pflanzen: Don’t feed the Plants!

Die Regie lag in den Händen der österreichischen Sopranistin Regina Schörg, die sich auch für Bühnenbild und künstlerische Leitung verantwortlich zeigte und auch die Stimme von Audrey II übernahm. Für das Bühnenbild dienten zwei verschiebbare Wände, die sich schnell vom Blumenladen in die Zahnarztpraxis oder in die Skid Row verwandeln ließen. Eine kluge Personenführung (Regina Schörg) und Choreografie (auch Ausstattung und Puppenbau: Monika Hoschtalek) sorgen für die richtige Mischung aus Spannung und Humor.

KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Michael Pinsker und Christian Graf © Christian Graf
KUMST Strasshof / Der kleine Horrorladen hier Michael Pinsker und Christian Graf © Christian Graf

Christian Graf, Intendant des Marchfelder Musicalherbsts, ist in der Partie des Seymour Kelborn zu erleben und es scheint, als sei ihm diese Rolle auch auf den Leib geschrieben worden. Aber nicht nur als sympathischer, tollpatschiger Blumenverkäufer, sondern auch mit seinen gesanglichen Qualitäten kann Christian Graf sein Publikum begeistern. Als die Liebe seines Lebens und Kollegin Audrey brilliert Monika Hoschtalek. Als liebenswert naive Audrey mit beeindruckender Singstimme ist sie die optimale zweite Hälfte des sich liebenden Hauptpaares.

Luxuriös besetzt sind auch die Partien des Mr. Mushnik und des Dr. Med. Dent. Orin Scrivello. Der deutsche Bariton Michael Pinsker, den man sonst eher in ernsten Rollen erlebt, kann als Ladenbesitzer Mr. Mushnik sein Talent für das Komische ausleben. Aber nicht nur mit glaubhafter Komik, auch mit seinem kräftigen Bariton überzeugt Michael Pinsker das Publikum. Auch Branimir Agovi beweist in der Partie des Zahnarztes Dr. Orin Scrivello sein Talent für das Komische. Mit seinem ebenfalls schönen Bariton wird der Rock’n Roll Song über sein Leben (Zahnarzt) zu einem der Höhepunkte des Abends.

Viel Spaß bereitet dem Publikum auch die stimmliche Gestaltung der diversen Puppen der Pflanze Audrey II durch Regina Schörg, die aber auch in den kleinen Partien der Putzfrau, des Mr. Bernstein, der Mrs. Luce und Skip Snips zu erleben ist. Großes Lob auch an Julia Tronina, die einer der Puppen von Audrey II ihren Körper leiht, aber auch alternierend mit Monika Hoschtalek die Partie der Audrey singt. In der kleinen Partie der Miss Martin überzeugt Romana Kloiber.

Als Soulgirls und Erzählerinnen singen und tanzen Aloysia Astari als Crystal, Elisbeth Löschberger als Chiffon und Marlene Waldmann als Ronette.

Das Publikum dankte den Künstlern mit langanhaltendem Applaus und Jubel für einen gelungenen und unterhaltsamen Abend. Der Musicalherbst Marchfeld geht mit dieser wunderbaren Produktion im kommenden Jahr auf Tournee und wird voraussichtlich auch im KUMST in Strasshof für ein ausverkauftes Haus sorgen. 

—| IOCO Kritik Kulturzentrum Marchfeld Strasshof |—


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