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KritikenOperStadttheater Klagenfurt

Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Die Walküre – Richard Wagner, IOCO Kritik, 14.10.2021

Marcus Haimerl
14. October 2021
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Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer
Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt

Die Walküre – Richard Wagner

 – Seilbahn nach Wallhall –

von Marcus Haimerl

Richard Wagner Grab in Wahnfried © IOCO RMaass
Richard Wagner Grab in Wahnfried © IOCO RMaass

Aron Stiehl, der neue Intendant des Stadttheater Klagenfurt, inszeniert bis zur Saison 2023/24 Richard Wagners Der Ring des Nibelungen. In der aktuellen Spielzeit startet das Stadttheater Klagenfurt mit dem ersten Tag der Tetralogie Die Walküre. Kommende Saison folgt Siegfried, 2023/24 schließlich Götterdämmerung und auch der Vorabend Das Rheingold.

Die szenische Uraufführung von Richard Wagners Die Walküre fand bereits am 26. Juni 1870 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München statt. Im Rahmen des gesamten Zyklus Der Ring des Nibelungen schließlich am 14. August 1876 im Festspielhaus Bayreuth. Eine konzertante Uraufführung des ersten Aktes mit Klavierbegleitung wurde jedoch bereits am 22. Oktober 1856 im Hotel Baur au Lac in Zürich aufgeführt und eine konzertante Erstaufführung von einigen Stücken mit Orchesterbegleitung, darunter dem Walkürenritt, Wotans Abschied und Feuerzauber und Winterstürme wichen dem Wonnemond, stand am 26. Dezember 1862 anlässlich eines Werkstattkonzertes in Wien, am Theater an der Wien am Spielplan.

Walküre – Richard Wagner – Stadttheater Klagenfurt
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Aron Stiehl, der bereits an der Wiener Volksoper Richard Wagners Der fliegende Holländer (2018/19) inszenierte (IOCO berichtete, Link HIER!), zeichnet sich auch für die Klagenfurter Walküre verantwortlich. Stiehl verzichtet auf jegliche Neudeutung der Handlung, verlegt diese jedoch in die Neuzeit und schafft in seiner Personenführung eine packende und emotionale Interpretation der handelnden Figuren. Als zentrales Symbol wählte er für das wilde Felsengebirge der Handlung eine Seilbahn. So ersetzt eine Seilbahnstütze, in der auch das Schwert Notung steckt, die Esche, die den Innenraum von Hundings Hütte dominiert. Um diese Stütze finden sich, von einem dichten Wald umgeben, lose Möbelstücke und eine winzige Hütte, die das Schlafzimmer von Hunding und Sieglinde darstellt. Der zweite Akt zeigt die Endstation jener Seilbahn, einen marmornen Saal mit atemberaubender Aussicht auf das umliegende Gebirge. Statt im Wagen mit dem Widdergespann reist Fricka standesgemäß in einer goldenen Gondel mit Widder-Emblem an der Türe an. Der dritte Akt spielt vor einem nüchtern-stählernem Seilbahnrad, an dem die Walküren die gefallenen Helden zu Wotan schicken und unter dem Brünnhilde in Schlaf versenkt wird. Das Bühnenbild und die Kostüme stammen von Okarina Peter und Timo Dentler.

Da eine volle Orchesterbesetzung in kleineren Häusern nahezu unmöglich ist, spielt man in Klagenfurt die Fassung mit reduzierter Bläserbesetzung von Alfons Abbass, die bereits 2017 als Basis für die Ring-Trilogie im Theater an der Wien Verwendung fand.

Stadttheater Klagenfurt / Die Walküre - hier: Julian Hubbard und Martina Welschenbach zu Winterstuerme wichen dem Wonnemond © Arnold Poeschl
Stadttheater Klagenfurt / Die Walküre – hier: Julian Hubbard und Martina Welschenbach zu Winterstuerme wichen dem Wonnemond © Arnold Poeschl

Besonders intensiv ist das Wälsungen-Paar. Der britische Tenor Julian Hubbard singt mit heldischem Tenor und unglaublicher Wortdeutlichkeit einen intensiven, leidenschaftlichen Siegmund, der vor allem mit seinen atemberaubenden „Wälse“-Rufen beeindrucken kann. Als seine Schwester Sieglinde überzeugt die deutsche Sopranistin Martina Welschenbach. Anfänglich von Hunding unterdrückt eher zurückhaltend steigert sich ihre Sieglinde kontinuierlich bis schließlich ihr O hehrstes Wunder im dritten Akt zu einem der zahlreichen Höhepunkte des Abends gezählt werden kann. Ebenso eindrucksvoll ist Rafal Pawnuk in der Partie des Hunding, der mit seinem kraftvollen, eindringlich dunklem Bass Angst verbreiten kann. Als Wotan überzeugt der deutsche Bass-Bariton Markus Marquardt, der in Aron Stiehls Der fliegende Holländer in der Titelpartie 2019 an der Wiener Volksoper eindrucksvoll debütierte.

Stadttheater Klagenfurt / Die Walküre - hier: Julian Hubbard und Martina Welschenbach vor ihrer Seilbahn nach Wallhall © Arnold Poeschl
Stadttheater Klagenfurt / Die Walküre – hier: Julian Hubbard und Martina Welschenbach vor ihrer Seilbahn nach Wallhall © Arnold Poeschl

Marquardt, ein ebenso nobler wie wortdeutlicher Göttervater, berührt vor allem in seinem tiefgehenden Abschied von seiner Lieblingstochter. Nancy Weißbach, die für die erkrankte Magdalena Anna Hofmann eingesprungen ist, brilliert in der Partie der Brünnhilde mit all den notwendigen hochdramatischen Spitzentönen, die diese Partie verlangt und packt das Publikum beim zu Herzen gehenden Abschied von Wotan im dritten Akt. Weniger wortdeutlich ist Ksenia Vyaznikova als etwas hysterische Fricka und ist auch im dritten Akt in der Partie der Waltraute zu erleben.

Eine beachtliche Leistung der restlichen Walküren Meredith Bloomfield (Gerhilde), Sarah Gilford (Ortlinde), Veronika Dünser (Schwertleite), Franziska Giesemann (Helmwige), Ivana Djokovic (Siegrune), Larissa Gabshiy (Grimgerde) und Olena Pruscha (Rossweisse), die teilweise auch aus dem Zuschauerraum singen dürfen.

Nicholas Milton, am Pult des Kärtner Sinfonieorchesters, spornt das Orchester zu wahren Höchstleistungen an und sorgt für ein spannendes und packendes musikalisches Erlebnis, vom rasanten Orchestervorspiel über den Walkürenritt bis hin zum Feuerzauber.

Zu Recht zollte das Publikum der gelungenen Produktion mit stehenden Ovationen. Mit großer Vorfreude kann man hier auf die Fortsetzung von Richard Wagners Tetralogie in den kommenden Jahren blicken

Die Walküre – Stadttheater Klagenfurt; die folgenden Termine 13.10.; 16.10.; 21.10.2021

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