IOCO
IOCO
image
HervorhebenImmling-FestivalIOCO AktuellOperette
Halfing, Immling Festival, 25 Jahre Immling Festival – im Chiemgau, IOCO Aktuell, 02.09.2021
Redaktion
01. September 2021
3 views

Immling Festival

Immling Festval 2019 © Christine Unterseer
Immling Festval 2019 © Christine Unterseer

25 Jahre  Immling Festival – Kultur im Chiemgau

– Ludwig Baumann – und seine fast zufällige Schöpfung –

von Marcus Haimerl

Auf einem Hügel nahe Bad Endorf befindet sich das Gut Immling, welches neben einem Tierschutzhof auch Veranstaltungsort eines berühmten Festivals ist. Doch an ein Festival dachte Ludwig Baumann erstmal nicht. Er baute eine Reithalle und wollte Turniere veranstalten. Doch während einer Vorstellung von Verdis Maskenball an der Dresdner Semperoper stürzte der Bassbariton schwer und verbrachte eineinhalb Jahre im Krankenhaus. Als es ihm besser ging, wollte er etwas auf die Beine stellen und beschloss, mit Gesangsvereinen aus der Umgebung Mozarts Zauberflöte auf einem Baggersee nahe Immling zu inszenieren. Die Bundeswehr baute für das geplante Spektakel eine 20 Meter große Bühne in den Weiher. Für jeden Darsteller gab es ein eigenes Schiff: ein Segelschiff für Sarastro, Tretboote für die Drei Knaben, für Papageno ein Ruderboot und Tamino im Kajak.

Doch das Wetter nahm keine Rücksicht auf das Vorhaben, schwere Regenschauer und Gewitter setzten die Boote unter Wasser und verhinderten die Aufführung. Eine Lösung musste gefunden werden. Die Reithalle wurde kurzfristig als Ausweichquartier gewählt und fünf Aufführungen fanden in der Reithalle statt.

Immling Festival / Intendant Ludwig-Baumann und die musikalische Leiterin Cornelia von Kerssenbrock © Nicole Richter
Immling Festival / Intendant Ludwig-Baumann und die musikalische Leiterin Cornelia von Kerssenbrock © Nicole Richter

Für die letzte wollte Ludwig Baumann zurück auf die Seebühne: „Wenigstens einmal wollten wir die Zauberflöte so zeigen, wie wir sie uns gedacht haben. Wir dachten ja sowieso, da kommt keiner mehr!“.

Doch es sollte ganz anders kommen. Zu dieser letzten Darbietung kamen über 3500 Zuschauerinnen und Zuschauer, eine Kartenkontrolle war unmöglich geworden und es gab keine ausreichenden Sitzplätze. Es wurde beschlossen, alle die gekommen waren auch zusehen zu lassen, das Publikum nahm einfach im Gras am Seeufer Platz.

Aber noch gab es keine Pläne ein Festival aufzubauen. Im Laufe des folgenden Jahres kamen jedoch immer mehr Menschen auf Ludwig Baumann zu und fragten, ob man so etwas denn nicht wieder veranstalten könnte. Irgendwann ließ sich dieser überreden und so wurde vom 24. Juli bis 2. August 1998 das „Chiemgauer Musikfestival auf Gut Immling“ veranstaltet. Auf dem Programm stand neben Carl Maria von Webers Der Freischütz“ in der Regie des Intendanten auch Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ (Regie: Toni Müller) und andere Veranstaltungen wie ein Volksmusik-Tag, ein Operettenkonzert, ein Familientag und ein Schlagerabend mit Trini Lopez. Auf Grund der großen Nachfrage, beschloss Ludwig Baumann auch 1999 nochmal ein Festival abzuhalten. Diesmal wurde Giacomo Puccinis „La bohème“ und Johann Strauss „Die Fledermaus“ gespielt. Mit Liederabenden und Gastspielen (u.a. Konstantin Wecker, Georg Ringswandl, Joan Orleans) wurde das Festival ergänzt.

Große Oper mitten auf dem Land?

Die Frage, ob man denn große Oper auch mitten auf dem Land spielen könne, beantwortete  Intendant Baumann bei seiner Begrüßung des Publikums im Jahr 1999. Begrüßungsworte die heute noch Gültigkeit haben:

„Liebe Besucher des Chiemgauer Opernsommers,

es gibt Bildhauer, die müssen jedes Material bearbeiten, Maler, die jede Fläche, jeden Untergrund inspirierend finden und für ihre Kunst benutzen möchten. Ich entdecke ­ vor allem in meiner allernächsten Umgebung ­ immer wieder Plätze, an denen ich Oper aufführen möchte ­ und Immling ist mein Traumplatz geworden. […]

Immling Festival – hier Madama Butterfly – Giacomo Puccini
youtube Trailer des Immling Festval
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

„Große Oper mitten auf dem Land ­ – geht das überhaupt?“ werde ich immer wieder gefragt. Es geht sogar sehr gut! Das Chiemgau besitzt eine bodenständige und dauerhafte Kultur. Die vorurteilsfreie Begeisterung vieler, die vorher fast oder gar nichts mit der Kunstform Oper zu tun gehabt hatten, besonders jedoch ihre Bereitschaft, sich bei ihrer Mitarbeit künstlerisch sensibilisieren zu lassen, schaffte die beste Voraussetzung für unseren gemeinsamen Erfolg. […] Mein besonderer Dank gilt aber den vielen Helfern und Mitstreitern aus der Umgebung, ohne die ein solcher Standard, eine solche Qualität, wie wir sie erreicht haben, niemals zu realisieren gewesen wäre. Der Chiemgauer Opernsommer lebt auch in Zukunft von der Begeisterung und der Hilfe vieler Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung.

Wenn nach der Vorstellung alle ­ Solisten und Chorsänger, Musiker, Bühnentechniker, Beleuchter und vor allem Zuschauer ­ im Restaurant-Zelt zusammensitzen und ihre Begeisterung austauschen, feiern, weitersingen und weitermusizieren, dann ist eine einzigartige Gemeinschaft und Gemeinsamkeit entstanden. Dann zeigt sich, dass Oper noch immer und immer wieder ein beständiger Bestandteil unserer Kultur ist, der die Menschen zusammenführt und ins Gespräch miteinander bringt. Genau das macht unsere Festspiele auf Gut Immling aus.“

Opern, Musical, Operetten –  sogar eine Uraufführung

In der 25-jährigen Erfolgsgeschichte des Festivals wurde dem Publikum eine unglaubliche Fülle an Opern, Operetten, Musicals, Schauspielen und Konzerten geboten werden.

Auf dem Spielplan des Festivals finden sich Werke der Opernliteratur von Georges Bizets (Carmen), Giacomo Puccini (Madama Butterfly, Tosca, Turandot), Bedrich Smetana (Die verkaufte Braut), Wolfgang Amadeus Mozart (Die Hochzeit des Figaro, Die Entführung aus dem Serail, Così fan tutte, Don Giovanni), Giuseppe Verdi (Nabucco, Macbeth, La Traviata, Der Troubadour, Rigoletto, Ein Maskenball, Die sizilianische Vesper, Don Carlo, Aida, Otello), Otto Nicolai (Die lustigen Weiber von Windsor), Jacques Offenbach (Hoffmanns Erzählungen), Ludwig van Beethoven (Fidelio), Richard Wagner (Der fliegende Holländer und Rheingold), Gaetano Donizetti (Lucia di Lammermoor, Der Liebestrank) oder Christoph Willibald Gluck (Orpheus und Eurydike).

Aber auch Operetten wie Ralph Benatzkys Im weißen Rössl und Carl Zellers Der Vogelhändler oder Musicals von Mamma Mia, Cats (Andrew Llyod Webber), Into the woods (Stephen Sondheim), The Wiz – Der Zauberer von Oz (Charlie Smalls), bis Shrek – Das Musical (Jeanine Tesori) standen bereits auf dem Programm des Festivals.

Christian Auers Der Brandner Kasper – eine bairische Oper wurde in der Inszenierung von Verena von Kerssenbrock im Jahr 2012 beim Immling Festial uraufgeführt.

Immling Festival – hierTurandot – Giacomo Puccini
youtube Trailer des Immling Festval
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Kinder- und Jugendarbeit  –  Die Akademie Immling

Schon ab dem Jahr 2008 sind Kinderopern ein fester Bestandteil des Festivals. Kindgerechte Fassungen von Mozarts Zauberflöte, Humperdincks Hänsel und Gretel und Dornröschen oder Rossinis Aschenputtel wurden gespielt.

Mit dem 2008 gegründeten Kinder-Festivalchor für Nachwuchssängerinnen und -sänger unter der Leitung von Iris Schmid hat die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eine noch stärkere Bedeutung gewonnen. Hier können Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren erste „Bühnenluft“ schnuppern. Eingesetzt werden sie in den eigens inszenierten Kinderopern, aber auch in Nebenrollen der großen Operninszenierungen. Auch gibt es jedes Jahr zu Weihnachten ein liebevoll gestaltetes Kinderstück, welches auf der Amadeus Bühne aufgeführt wird.

Es sind mittlerweile über 150 junge Talente, die jedes Jahr unter professioneller Anleitung als Sänger, Tänzer oder Schauspieler auf der Bühne oder im Orchestergraben wirken. Aus diesen eigens gestalteten Projekten entsteht immer wieder aufs Neue ein magisches Theatererlebnis das Jung und Alt gleichermaßen verzaubert. So ist auch nicht schwer zu erkennen, dass es Intendant Ludwig Baumann eine echte Herzensangelegenheit ist, bereits jungen Menschen das Interesse am Musiktheater zu wecken und auch zu fördern und ihnen dafür auch eine Bühne zu geben.

Die Akademie Immling verfügt über einen eigenen Chor und ein eigenes Orchester und ist offen für alle musik- und auch theaterbegeisterten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12 und 29 Jahren. Ein fester Bestandteil des Immling Festivals ist das von diesen jungen Künstlerinnen und Künstlern erarbeitete Musical.

Viele der Mitwirkenden sind auch ehemalige Mitglieder des Kinder-Festivalchors und bleiben dem Immlinger Kulturleben erhalten und singen nicht selten später auch im Opernchor.

Mit dieser beeindruckenden Historie wünscht IOCO dem Festival alles Gute zum 25-jährigen Jubiläum und freut sich auf die nächsten 25 Jahre beim Immling Festival.

—| IOCO Kritik Immling Festival |—


Tags

25 Jahre  Immling Festival
Der Christoph Willibald Gluck
der fliegende Holländer
Die lustigen Weiber von Windsor
Fidelio
gaetano donizetti
Halfing
immling
Immling Festival
Iris Schmid
Jacques Offenbach Hoffmanns Erzählungen
Kultur am Chiemsee
lucia di lammermoor
ludwig baumann immling
ludwig van beethoven
Marcus Haimerl
orpheus und eurydike
otto nicolai
Rheingold
richard wagner
vorheriger Artikel
Magdeburg, Theater Magdeburg, 2022 – Julien Chavaz mit neuer Führung, IOCO Aktuell, 29.08.2021
avatar

Redaktion

Andere Artikel des Autorsweitere Artikel
Wuppertal, Oper Wuppertal, Spielbetrieb trotzt Hochwasserchaos, IOCO Aktuell, 10.09.2021
10. September 2021
17 views
Leipzig, Oper Leipzig, Spielzeit 2021/22 – Festtage Wagner 22, IOCO Aktuell, 06.09.2021
Oper Leipzig
06. September 2021
3 views
Halfing, Immling Festival 2021, Madama Butterfly – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 21.08.2021
IOCO
© 2021, Alle Rechte vorbehalten.

Quick Links

KontaktImpressumDatenschutzerklärung

Social Media