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Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, Abschlusskonzert: Y’a d’la joie!, IOCO Kritik, 23.07.2021,

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Peter Michael Peters
30. July 2021
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Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons
Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Festival Européen Jeunes Talents

21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS

24. Juli  – Abschlusskonzert – Cathédrale Sainte-Croix des Arméniens

von Peter M. Peters

Y’a d’la joie!  –  Da ist Freude!

Da ist Freude! Ja! In einem fröhlichen, abwechslungsreichen und seltenen Programm feierten die drei talentierten Nachwuchskünstler ihr musikalisches Wiedersehen. Ihre Auswahl an phantasievollen Werken – von der französischen Melodie bis hin zum amerikanischen Musical, einschließlich Chansons, Operettenmelodien und Opernarien – war das Versprechen einer jubelnden und festlichen Rückkehr auf die Bühne und ein glücklicher Abschluss des Festivals getan.

Marine Chagnon, Mezzosopran; Bastien Rimondi, Tenor und Timothée Hudrisier, Klavier sangen und spielten Werke von: Maurice Ravel (1875-1937), Francis Poulenc (1899-1963), Mel Bonis, (1858-1937) Graciane Finzi (*1945), Barbara (1930-1997), Léo Delibes (1836-1891), Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Jacques Offenbach (1819-1880), Johann Strauss II (1825-1899), Sergej Rachmaninoff (1873-1943), Gioachino Rossini (1792-1868), Georges Bizet (1838-1875), George Gershwin (1898-1937), Richard Cocciante (*1946), Moisés Simóns (1918-1990) und Leonard Bernstein.

21. Festival Européen Jeunes Talents – Paris
Youtube Trailer Jeunes Talents
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Leider hat das launige Wetter uns noch einmal für das letzte Konzert einen Strich durch die Rechnung getan! Aber man kann trotz allem bei dem alten Sprichwort bleiben: Alles Gute endet gut …! Die drei oben genannten jungen Künstler haben ihr Bestes gegeben, um das Publikum in guter Laune zu halten. Y’a d’la joie! Ja! Da ist Freude! Dieser farbenfreudige musikalische Abschiedsstrauß war schon ein willkommener Gruß für das nächste Festival im Jahre 2022. Y’a d’la Joie!

Allen voran die Mezzo-Sopranistin Marine Chagnon, die mit ihrer warmen und tiefen sensuellen Stimme alles mit Überzeugung interpretieren konnte und dazu mit einem natürlichen szenischen Auftreten. Auch ihre Vortragsart und Diktion waren einwandfrei, so dass wir ihr schon eine große Karriere voraus sagen können. Der junge Tenor Bastien Rimondi hat im Medium eine angenehme klare Stimme, jedoch in den Höhen sollte er noch an sich arbeiten. Nach unserer Meinung ist er mit seinem hellen Timbre besser in der Operette und dem Musical aufgehoben! Einen besonderen Lob für den Pianisten Timothée Hudrisier, der sowohl als Begleiter sowie auch im Klaviersolo wahre Wundertöne herausquellen  ließ. In seiner Interpretation der Improvisation Nr.15 (1959) – Hommage à Edith Piaf (19151963) von Poulenc und die Mazurka op.26 (1897) von Bonis wurde das Klavier von seiner sensiblen Meisterhand getuscht.

Brava! Bravo! Und nach so viel Freude noch eine Zugabe: Y’a d’la joie! (1973) von Charles Trenet (1913-2001), das uns in angenehmer Weise wie ein Ohrwurm noch Stunden später im Innern singen lässt. Wir wollen auch ein großes Bravo an die Festspielleitung bekunden: Denn das Programm brachte selten gespielte Werke, neue Werke, von Frauen geschriebene Werke und stabilisierte besonders die Brücken zwischen der Klassik und der Unterhaltung! Eben den alten müden Karren von modrigen alteingefahrenen Wegen auf neue Bahnen zu lenken! Eben alteingesessene Ideologien zu neuen toleranten Wegbereitern zu formen! Ja! Da ist Freude! Y’a d’la joie! Und jetzt einige Freuden etwas näher betrachtet:

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! - hier :  Pianist Timothée Hudrisier und Marine Chagnon © Xavier Delfosse
21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! – hier : Pianist Timothée Hudrisier und Marine Chagnon © Xavier Delfosse

Hôtel aus Banalités FP107, Nr.2 (1940 / Guillaume Apollinaire / 1880-1918) von Poulenc. Die Banalités zählen zwar nicht zu den Hauptwerken Apollinaires, aber ihr besonderer Ton sprach Poulenc an, dessen künstlerische Verwandtschaft mit dem Poeten schon sehr früh auftaucht (1919 vertonte er Le Bestiaire FP15a), 1940 schrieb der Komponist Hôtel, das zu einer lässigen Träumerei wurde und heute häufig in einem Programm von französischen Melodien auftaucht…

Ma chambre a la forme d’une cage
Le soleil passe son bras par la fenêtre

Mais moi qui veut fumer pour les mirages
J’allume au feu du jour ma cigarette
Je ne veux pas travailler, je veux fumer.

Es ist eines dieser Ritornell, auf die wir nicht unbedingt achten, die aber ins Ohr gehen und uns mindestens für einen Tag lang nicht mehr loslassen…!

Bastien aus Songe -Trois Mélodies op.91 Nr.3 (1912 / Maurice Bouchor / 1855-1929) von Bonis. Sie wurde als Mélanie Bonis in einer bescheidenen Pariser Familie geboren. Zuerst Autodidakt, dann Schülerin von César Franck (1822-1890) und Ernest Guiraud (1837-1892) am Pariser Konservatorium. Ihre Eltern nahmen sie von der Musikhochschule zurück, um ein Hochzeitsprojekt mit einem Studiumkameraden abzubrechen. Sie heiratete 1883 einen wohlhabenden Industriellen und widmete sich fortan ihrem Leben als Ehefrau und Mutter, aber auch gleichzeitig komponierte  sie ein sehr bedeutendes Klavier- Kammermusikwerk, das sie heute zu den besten französischen Komponisten des 20. Jahrhundert zählt. Man kann ihren Musikstil in den Kreis der französischen Symbolisten einordnen…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! © Xavier Delfosse
21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! © Xavier Delfosse

Septembre (um 1965), Chanson von Barbara, Künstlername, von Monique Andrée Serf, geboren in Paris, Französische Autorin-Komponistin-Interpretin. Ihre Poesie, getragen von der Harmonie ihrer Kompositionen und der Finesse ihrer Interpretationen sicherte ihr mehr als vierzig Jahre lang ein überaus treues Publikum. Viele ihrer Chansons sind heute im Panthéon der französischen Musik eingegangen, insbesondere Une petite Cantate, Dis, quand reviendras-tu? Nantes, Göttingen, La Dame brune, L’Aigle noir, Marienbad aber auch Ma plus belle histoire d’amour machen sie zu einer der größten Diseuse aller Zeiten …

Quel joli temps pour se dire au revoir
Quel joli soir pour jouer ses 20 ans
Sur la fumée des cigarettes
L’amour s’en va, mon cœur s’arrête
Quel joli temps pour se dire au revoir
Quel joli soir pour jouer ses vingt ans

                                                    (Septembre,  2.Strophe)

Mon Dieu ! que les hommes sont bêtes aus La Périchole (1868 / Ludovic Halévy / 1837-1908 / Henri Meilhac / 1830-1897) von Offenbach. Die Opéra-Bouffe uraufgeführt am Théâtre des Variétés, nach einer Nouvelle von Prosper Mérimée (1803-1870) Le Carrosse du Saint-Sacrement (1829). Die dritte Aufführung erreichte Einnahmen von 4300 Franken und blieb von der vierten bis zur achten weit über 4700 Franken. Ansonsten hatte das Werk, verglichen mit anderen Operetten von Offenbach, nicht den verdienten Erfolg. Ungeachtet dessen hat die Arie Mon Dieu ! que les hommes sont bêtes einen einmaligen anhaltenden Welterfolg. Obwohl original für ein Mezzosopran geschrieben, La Périchole hat allein mit diesem Stück-Musik ein Vermögen eingesungen und das als Sopran…als Mezzo… als Diseuse… als Popstar… als Jazzstar…  usw…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! © Xavier Delfosse
21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! © Xavier Delfosse

C’est ça la vie, c’est ça l’amour aus Toi c’est moi (1934 / Henri Duvernois / 1875-1937) von Moisés Simón Rodriguez, kubanischer Komponist, Pianist und Dirigent. Als Sohn eines in Kuba lebenden baskischen Musikers lernte er schon in sehr jungen Jahren Klavier und Orgel. In den 1920er Jahren unternahm er mit seinem Jazzorchester mehrere große Tourneen, die ihn nach New York, Paris und Madrid führten. Im Jahre 1934 zog er nach Paris, wo er zwei erfolgreiche Operetten schuf, Toi c’est moi und Le Chant des Tropiques (1936), sowie ein  von Jeanne Aubert (1900-1988) popularisiertes Chanson (dessen Titel in einer volkstümlichen Sprache berühmt wurde), Le Cul sur la commode (1937). Sein Song El Manisero (1928) wurde von vielen Künstlern adaptiert, darunter Mistinguett (1875-1956 / La Rumba d’amour / 1931), Louis Armstrong (1901-1971), Judy Garland (1922-1969), Duke Ellington (1899-1974) und auch The Beatles (1960-1970 / The Peanut vendor / 1969).

Obwohl wir die französische Operette der 30er Jahre völlig uninteressant und überkitscht finden, müssen wir eingestehen, dass das Chanson mit seiner rhythmischen Rumba-Melodie C’est ça la vie, c’est ça l’amour eine äußerst attraktive Atmosphäre anbietet: Es wurde vielfach von den großen Mezzo-Sopranistinnen unserer Zeit u.a. Frederica von Stade oder Susan Graham interpretiert.

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Ein allerletzter Hinweis für musikliebende, offene deutsche Touristen in Paris: Von jungen Künstlern werden auch außerhalb des “offiziellen”  FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS das ganze Jahr über in Paris Konzerte veranstaltet.

Mehr Informationen finden Sie hierzu unter link:   https://www.jeunes-talents.org/     oder  unter     Tel: +33 1 40 20 09 20.   PMP/25.07.21

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