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Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, Konzert: Once Upon a Time in America, IOCO Kritik, 23.07.2021,

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Peter Michael Peters
23. July 2021
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Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons
Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Festival Européen Jeunes Talents

21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS

Once Upon a Time in America – Es war einmal in Amerika

von Peter M. Peters

Am 9. Juli lässt uns das Programm des 21. Festival Européen Jeunes Talents mit dem Programm Once Upon a Time in America – Es war einmal in Amerika eintauchen in das Amerika der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das damals der Treffpunkt vieler künstlerischer Strömungen war. Es sind die europäischen Komponisten, im Exil oder auf der Suche nach neuen Inspirationen und Klängen. Jedoch auch in Amerika geborenen Musiker suchen nach neuen Wegen… nach neuen Ideen!

21. Festival Européen Jeunes Talents in Paris
Youtube Trailer Jeunes Talents
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Für George Gershwin (1898-1937) werden es die Jazzeinflüsse sein, die es ihm ermöglichen den symphonischen Jazz zu kreieren, mit dem er am Broadway und später in Hollywood triumphieren wird. Für andere wie Aaron Copland, Leonard Bernstein und Meredith Wilson wird der Film eine wichtige Rolle bei der Entwicklung ihrer musikalischen Vorstellungskraft spielen. Wir können von Gershwin die Atmosphäre der Kabaretts in New York der Zwischenkriegszeit, aber auch das von Bernstein so heiß geliebte Musical wiederentdecken. Sein berühmtes Somewhere aus West Side Story strahlt wie je zuvor am Broadway-Firmament! Es wird ein musikalisches Eintauchen in diese fabelhafte Zeit der Emulation und Kreativität sein…

Once upon a time in America

Dieser geistreiche Titel ist auch unser Leitfaden für diesen außergewöhnlichen Abend in Musik! Vielleicht schon einer der Höhepunkt vor dem Festival-Final? Die Interpreten für diesen Song-Abend waren alle auf höchstem Niveau und hatten das gewisse Extra, was man haben sollte für derartige Musik… Leichtigkeit… Lässigkeit… Nonchalance! Jeanne Gérard, Sopran mit dem Pianisten Alexander Ullmann und dem Quartett Agate: Adrien Jurkovic und Thomas Descamps, Violinen; Raphaël Pagnon, Viola; Simon Iachemet, Cello, hatten das nötige musikalische Talent und den The-Show-must-go-on-spirit für diese einzigartige Broadway-Stimmung, dazu mit einem vielversprechenden Programm: John Cage (1912-1992), Samuel Barber (1910-1981), Jake Heggie (*1961), Amy Beach (1867-1944), Aaron Copland (1900-1990), George Gershwin (1898-1937), Meredith Wilson (1902-1984), Leonard Bernstein (1918-1990), Cole Porter (1891-1964), Stephen Sondheim (*1930).

Außerdem hatten wir mit der Wetterlaune sehr viel Glück an diesem Abend: Die Show konnte mit einer besonders guten Akustik im von breiten Palastmauern umgebenen Cour de Guise stattfinden.  Kein Lärm, nicht ein einziger Laut kam aus der Großstadt zu uns herüber, nur ein einsamer Rabe rief krrrre! kreeee!… (Missbilligung oder Beifall?). Wir wollen uns eine kleine Auswahl von den seltenen fast unbekannten Songs ein wenig näher ansehen.

Ah, Love, But a Day! aus Three Browning Songs op. 44 (1899-1900 / Robert Browning / 1812-1889) von Beach. Die Komponistin war von frühreifer Begabung und nachdem sie als junges Mädchen in ihrer Heimat bei Ernst Perabo (1845-1920) Klavier und Komposition studiert hatte, wurde sie besonders in Amerika sehr schnell eine bekannte musikalische Persönlichkeit, jedoch nach ihrer Vermählung beendete sie ihre Karriere. Wir verdanken ihr Werke in den unterschiedlichsten Bereichen: Klavier, Kammermusik, Songs, Chorwerke, darunter eine große Messe, ein Klavierkonzert, eine Sinfonie und eine Oper. Ihre Songs werden bis heute von vielen großen Sängerinnen interpretiert und auch mehrere Versionen wurden eingespielt…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America - hier : alle Interpreten © Xavier Delfosse
21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America – hier : alle Interpreten © Xavier Delfosse

Vodka aus der Broadway-Show: Song Of The Flame (1926 / Oscar Hammerstein II / 1895-1960) von Gershwin. Dieser besonders ätherisch-süffige Song mit einer, ja man kann fast sagen, alkoholgetränkten Atmosphäre ist ein Meisterstück an musikalischer Verführung, dazu mit einem derart kribbeligen-geistreichen Text. Da muss man wohl ein Alkoholiker werden! Der Song erzählt die Geschichte eines Menschen – einer Frau – nicht sehr neu in der musikalischen Welt: beschwipst… tipsy… gris… kurzum sie trank einige Gläser zu viel, wie u.a. Rosalinde (Feuerstrom der Reben) in Die Fledermaus (1874) von Johann Strauss II (1825-1899) oder die Titelsängerin (Ariette de la griserie) aus La Périchole (1868/1874) von Jacques Offenbach (1819-1880)…

LOVESITE – Konzert  –  21. Festival Européen Jeunes Talents –  HIER

Laurie’s Song aus The Tender Land (1954 / Horace Everett / 1927-2001), Oper von Copland. Die Oper erzählt von einer Bauernfamilie im Mittlerin Westen der USA. Der Komponist wurde inspiriert dieses Werk zu schreiben, nachdem er die Fotografien von Walker Evans (1903-1975) aus der Depressionszeit gesehen und James Rufus Agees (1909-1955) Roman Let Us Now Praise Famous Men (1941) gelesen hatte. Er schrieb das Werk zwischen 1952 und 1954 für den NBC Television Opera Workshop mit der Absicht, es im Fernsehen zu präsentieren. Die Fernsehproduzenten lehnten jedoch die Oper ab. Schließlich wurde das Werk mit viel Erfolg am 1. April 1954 an der New York City Opera uraufgeführt…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America © Xavier Delfosse
21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America © Xavier Delfosse

The Tale Of The Oyster aus Fifty Million Frenchmen (1929 / Herbert Fields / 1897-1958) von Porter. Die Musical Comedy Tour Of Paris ist eine musikalische Komödie in zwei Akten. Das 1929 entstandene Werk wurde 254 Mal am Broadway gespielt und 1931 von Lloyd Bacon (1889-1955) erfolgreich für den Film adaptiert. Der Oyster Song ist wohl einer der komischsten Paraphrasen über ein trauriges (Austern)-Schicksal! Hier die erste Strophe im Originaltext…

Down by the sea lived a lonesome oyster
Every day getting sadder and moister
He found his home life awf’lly wet
And longed to travel with the upper set
Poor littly oyster.

Send In The Clowns aus A Little Night Music (1973 / Hugh Wheeler / 1912-1987) Musik und Lyrics von Sondheim nach dem Film Das Lächeln einer Sommernacht (1955) von Ingmar Bergman (1918-2007). Während Bühnenerfolge oft zu Filmadaptationen geführt haben, handelt es sich in diesem Fall um einen Film von Bergman, der selbst im Wort von William Shakespeares (1564-1616) A Midsummer Night’s Dream (1600) angesiedelt hat und der Librettist Wheeler inspirierte sich davon. Dieser Rahmen erlaubt Sondheim eine erstaunliche Virtuosität in der Art und Weise, wie er Wort und Musik in seinem Werk verwebt. Er erforscht Themen, die ihm am Herzen liegen, wie die Komplexität menschlicher Beziehungen oder die Angst im Angesicht der verstreichenden Zeit. Er liefert eine schillernde Partitur, die von der ternären Form dominiert wird: Die drei Lächeln der verschiedenen Lebensalter, aber auch eine Variation einer Dreiecksbeziehung während einer nordischen Nacht. Wo alle Torheiten erlaubt sind und auch wie immer unaufhörlich zusammenbrechen werden und sich dann zu einem neuen Rhythmus von drei Zeitschlägen wieder formt…

Obwohl noch am Anfang des 21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS  hatte dieser Abend ein derartiges Niveau. Es zu übertreffen wird wohl nicht sehr leicht sein…

(PMP / 13.07.2021)

—| IOCO Kritik Festival Européen Jeunes Talents |—


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