IOCO
IOCO
image
HervorhebenKritikenMusical
Berlin, Neuköllner Oper, Eine Stimme für Deutschland – eine musikalische Quittung, IOCO Kritik, 21.07.2021
Redaktion
22. July 2021
1 views
Neuköllner Oper, Karl Marx Strasse, Berln © Caterina Rancho
Neuköllner Oper, Karl Marx Strasse, Berln © Caterina Rancho

Neuköllner Oper

Eine STIMME für DEUTSCHLAND  von Thomas Zaufke, Peter Lund

– Die musikalische Quitung zum Superwahljahr – Uraufgeführt am 11.6.2021

von Rainer Maass

Die Neuköllner Oper (NO), „Berlins vierte Oper“, Karl-Marx-Straße 131 – 133, Berlin,  ist ein Unikum in der vielfältigen Kulturszene von Berlin. Für die NO, Foto oben, ist Oper mehr als das Neuinszenieren eines bekannten und begrenzten Repertoires, zu dem hin und wieder ein paar neue Auftragswerke hinzu kommen. Die NO zeigt: Musiktheater kann, nein, muss man selbst auf die Bühne bringen, um relevante Themen auszudrücken.

Die Neuköllner Oper steht für ein undogmatisches Musiktheater, das mit Lust Genres, Stile und Kulturen mixt. Seit ihrer Gründung hat sie über 240 Musiktheaterwerke zur Ur- bzw. Erstaufführung gebracht. Sie ist damit zu einer international wirkenden Ankerinstitution für eine moderne Form des musikalischen Theaters geworden, das Themen zeitgemäß und unterhaltend zugleich in jedem nur denkbaren Format für die Bühne entwickelt.

Eine Stimme für Deutschland  – Neuköllner Oper
youtube Trailer Neuköllner Oper
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Eine STIMME für DEUTSCHLAND
– Die musikalische Quitung zum Superwahljahr –

Wem die klassische Opernszene zu traditionell und zu eingefahren ist, der sollte sich die Mühe machen und zur Neuköllner Oper hinaufsteigen. Und das gilt nicht nur für dieses Stück. Um Berlins viert größtes Opernhaus zu erleben, muss man sich nämlich fast bis auf die oberste Etage des ehemaligen Ballhauses von Rixdorf – so hieß Neukölln  früher – begeben. Belohnt wird man dafür mit mutigen Inszenierungen wie dem Musical, um das es heute geht.

Haben sich klassische Operngrößen wie Mozart nicht gescheut, ihre adligen Herrschaft musikalisch aufs Korn zu nehmen, so stürzen sich die Macher dieser „musikalischen Quittung“ wie Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text und Regie) es nennen, mitten ins aktuelle Wahlgeschehen.

Vordergründig geht es in diesem Musikstück um den Kampf zweier Spitzenpolitikerinnen in einer Kleinstadt. Zum ersten Mal wittert hier die neue Rechte die Chance das Bürgermeisteramt zu gewinnen. Und das gegen eine grüne Kandidatin. Beide Kontrahentinnen  liegen in den Umfragen etwa gleich auf. Es entspinnt sich eine Schlacht, bei der schwer ausmachen ist, wer die Bösen und wer die Guten in diesem Spiel sind.  Eine Seite verstößt permanent gegen die Ideale, die sie predigt. Hier brilliert Clarissa Gundlach in der Rolle der übermotivierten aber überforderten Grünen Kandidatin. Auf der anderen Seite punktet Joel Zupan eindrucksvoll mit gefälligen Ohrwürmern voller deutschtümelnder  Phrasen. Musikalisch gesehen ist er – ja, Sie ist ein Er – im Vorteil. Immer wieder ertappt man sich beim Applaudieren an der möglicherweise falschen Stelle. Aber genau das ist, was die Autoren beabsichtigen. Den Wahlkampf als Theater zu entlarven. Nichts ist wie es scheint. Es wird geheuchelt und taktiert. Um die Sache geht es den Spitzenpolitikern nicht. Die Sache – so sagt es die rechte Spitzenpolitikerin an einer Stelle unverblümt –  “die Sache ist nur etwas für die zweite Reihe”.

Neuköllner Oper / Eine Stimme für Deutschland hier das Enselmble © MIZAFO
Neuköllner Oper / Eine Stimme für Deutschland hier das Enselmble © MIZAFO

Deshalb sind es auch die Figuren aus der zweiten Reihe, die ihre Helden demaskieren: Die Töchter der Kandidatinnen! Deren Freunde! Und die Wahlkampfleiterin der rechten Möchtegern-Bürgermeisterin! Sie unterstützen, bejubeln und folgen aus vollem Herzen ihren Vorbildern. Um schon bald von ihnen enttäuscht, missbraucht und ausgelacht zu werden. Am Ende gibt es dann doch ein sehr überraschendes Fast-Happyend.

Nach zwei sehr unterhaltsamen Stunden mit einem Ensemble, das die Zuschauer tanzend und singend mit viel Spielfreude durch den Abend führte, blieben zwar die politischen Fragen weitgehend offen. Aber auf der menschlichen Seite wuchs wieder zusammen, was zusammen gehört. Insgesamt ein gelungener Abend.

Eine STIMME für DEUTSCHLAND in der Neuköllner Oper, die folgenden Termine:  23.7.; 24.7.; 25.7.2021

—| IOCO Kritik Neuköllner Oper |—


Tags

Berlins vierte Ope
Clarissa Gundlach
Die Neuköllner Oper
Eine STIMME für DEUTSCHLAND - Thomas Zaufke
Joel Zupan
neukölln
NO
Oper
peter lund
rainer maass
Theater
vorheriger Artikel
Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, LOVESIGHT – Konzert in Sainte-Croix, IOCO Kritik, 21.07.2021
avatar

Redaktion

Andere Artikel des Autorsweitere Artikel
Wuppertal, Oper Wuppertal, Spielbetrieb trotzt Hochwasserchaos, IOCO Aktuell, 10.09.2021
10. September 2021
17 views
Leipzig, Oper Leipzig, Spielzeit 2021/22 – Festtage Wagner 22, IOCO Aktuell, 06.09.2021
Oper Leipzig
06. September 2021
3 views
IOCO
© 2021, Alle Rechte vorbehalten.

Quick Links

KontaktImpressumDatenschutzerklärung

Social Media