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Festival Européen Jeunes TalentsKonzertKritiken

Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, LOVESIGHT – Konzert in Sainte-Croix, IOCO Kritik, 21.07.2021

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Peter Michael Peters
20. July 2021
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CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS @ Xavier Delfosse
CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS @ Xavier Delfosse

Festival Européen Jeunes Talents

21. Festival Européen Jeunes Talents  

 6. Juli 2021 – Cathedrale Sainte-Croix des Arméniens – Paris

von Peter M. Peters

LOVESIGHT

Ein empfindsamer und intelligenter Titel für einen Liederabend (Melodien und Songs) mit Werken von Ralph Vaughan Williams (1828-1882), Henri Duparc (1848-1909), Franz Schubert (1797-1828), Samuel Barber (1910-1981), William Elden Bolcom (*1938), Jake Heggie (*1961), Lee Hoiby (1926-2011), Ben Moore (*1960) und Amy Beach (1867-1944).

21. Festival Européen Jeunes Talents in Paris
Youtube Trailer Jeunes Talents
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Die in Paris lebende amerikanische Pianistin und Pädagogin Susan Manoff, Foto unten, (Professor am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris) hat mit ihrer Auswahl ein äußerst attraktives Programm ausgewählt, indem sie sehr seltene und auch für uns völlig unbekannte Komponisten vorstellte. Die beiden jungen Sänger, die sie am Klavier begleitete, waren: Cyrielle Ndjiki Nya, Foto, Sopran und Edwin Fardini, Foto, Bariton. Leider musste das Konzert im Cour de Guise wegen schlechter Wetterlaune abgesagt werden! Die Kathedrale befindet sich gleich hinter den Archives Nationales, jedoch ist es für uns kein repräsentativer Ersatz: Denn es fehlen die nötigen akustischen Konditionen für die Musiker und ihren Instrumenten. Insbesondere für die menschliche Stimme ist es mehr als ungenügend! Die beiden jungen Interpreten können sich schon auf eine ansehnliche Karriere berufen und auch an diesem Abend haben sie trotz der akustischen Mängel mit viel Professionalismus gesungen. Vielleicht sollten sie beide noch an ihrer Aussprache arbeiten, insbesondere in den französischen Melodien und im deutschen Lied. Eine kleine Auswahl von Komposition wollen wir ein wenig näher betrachten.

Au pays où se fait la guerre (1869-1870 (Théophile Gautier / 1811-1872 / La Comédie de la mort/1883) aus Treize Mélodies (1868-1887) von Duparc. Zur Zeit des deutsch-französischen Konflikts ungewollt aktuell, hatte diese Melodie für Mezzo-Sopran eine erste Fassung unter dem Titel Absence. Überarbeitet, orchestriert vor 1876 ist sie im Stil von Clärchens Lied (Egmont op.84 / 1809) von Ludwig van Beethoven (1770-1827 / Johann Wolfgang von Goethe / 1749-1832) oder von germanischen Balladen einsamer Frauen im Krieg gerückt. In ihrer instrumentalen Komposition zeigt es in den Couplets Mahler an, unterbrochen von einem traurigen zweizeiligen Refrain, dessen Terzfigur die unterbrochene Liebesbeziehung nachvollzieht…

Die Taubenpost (Johann Gabriel Seidl / 1804-1875) aus Schwanengesang D 957 (1828) von Schubert. Tausendmal am Tag schickt der Dichter seine Brieftaube, um der Geliebten seine Botschaften zu überbringen, er braucht nicht einmal mehr Briefe, denn dieser unermüdliche treue Botschafter ist Sehnsucht: Ein Bote treuer Herzen. In der Tradition einiger Lieder aus dem Zyklus Die Schöne Müllerin D 795 (1823) oder von Abschied (Schwanengesang Nr. 7) ist es ein anmutiger geflügelter Seitenton mit einem verspielten munteren Rhythmus …

 CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier Cyrielle Ndjiki Nya und Edwin Fardini, vorne @ Xavier Delfosse
CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier Cyrielle Ndjiki Nya und Edwin Fardini, vorne @ Xavier Delfosse

The Desire for Hermitage (Anonym 8.-9. Jahrhundert) aus Hermit Songs op.29 (1953) von Barber. Er war berührt vom Charme und der Unschuld der Gedichte, die zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert von irischen Klerikern und Mönchen geschrieben wurden. Von den am Rande der von ihnen kopierten oder illuminierten Manuskripte wählte Barber zehn aus, von denen das kürzeste zwei und das längste zweiundzwanzig Zeilen hatte. Der amerikanische Komponist, der keine Taktstriche verwendet, durchzeichnet seine Melodie in der natürlichen Deklamation der Texte. Die Nr. 10 illustriert mit Leidenschaft ein Glaubensbekenntnis: Ah! To be all alone in a little cell with nobody near me…

Youth and Love aus Songs of Travel (1901-1904 / Robert Louis Stevenson / 1850-1894) von Vaughan Williams. Diese neun Songs sind zeitgenössisch mit dem Zyklus The House of Life (1904) und obwohl sie zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht wurden, bilden sie durch die Einheit von Ton und Gedanken des Werks sowie durch bestimmte wiederkehrende melodische Elemente einen Zyklus. Die Nr. 4 glänzt durch ihre Kontraste: Ausbalancierte Akkorde, die sich im gleichen Takt abwechseln auf die erste oder zweite lyrische Strophe bewegen und außerdem zwei motivische Erinnerungen beziehen sich auf die dritte Melodie…

CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier vl vl am Flügel Susan Manoff, Edwin Fardini, Cyrielle Ndjiki Nya @ Xavier Delfosse
CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier vl vl am Flügel Susan Manoff, Edwin Fardini, Cyrielle Ndjiki Nya @ Xavier Delfosse

Amor aus Cabaret Songs (1963-1996 / Arnold Louis Weinstein / *1940) von Bolcom. Der amerikanische Komponist und Pianist betritt mit einer ungenierten Leichtigkeit die Brücke zwischen sogenannter ernster Musik und der scheinbar hingeworfenen Unterhaltungsmusik. Er studierte u.a. mit Darius Milhaud (1892-1974), Olivier Messiaen (1908-1992) und Jean Rivier (1896-1996). Er wurde sehr beeinflusst von Pierre Boulez (1925-2016), Karlheinz Stockhausen (1928-2007) und Luciano Berio (1925-2003). In dem Zyklus Cabaret Songs komponierte er nach Gedichten von Weinstein witzige und kritische Songs über unsere aktuelle Gesellschaft. In dem Song Amor wird eine Person beschrieben, die von aller Welt geliebt wird! Oder aber verliebt ist in ihre eigene Person? (innere Vorstellungskraft?) Die musikalische Sprache erinnert uns u.a. an Songs von Kurt Weill (1900-1950) und Stephen Sondheim (geboren 1930). Eine kleine Text-Kostprobe (6. Strophe):

Night was turning into day.
I walked alone away.
(Never see that town again)
But as I passed the churchhouse door
Instead of singing «Amen»
The choir was singing, «Amor»

Lady of the Harbor aus Three Women (1985 / Emma Lazarus / 1849-1887 /aus The New Colossus / 1883) von Hoiby. Es ist der zweite Song aus Three Women. Er handelt von der Freiheitsstatue und setzt die letzte Strophe von Lazarus’ Sonett in Musik. Das gesamte Gedicht ist auf einer Bronzetafel eingraviert und seit 1903 dort in der Statue angebracht. Man bittet um Hilfe, dass die Liberty-Lady noch viele arme heimatlose Emigranten aus aller Welt in ihre großen Arme nimmt und sie zum Bleiben einlädt…!  PMP /11.07.2021

—| IOCO Kritik Festival Européen Jeunes Talents |—


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