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KritikenStaatstheater am Gärtnerplatz

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Die Zirkusprinzessin von Emmerich Kálmán, IOCO Kritik, 23.07.2014

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Redaktion
23. July 2014
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Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz München © Bernd Eberle
Staatstheater am Gärtnerplatz München © Bernd Eberle

Die Zirkusprinzessin im Cirkus Krone: Wirbelnde Zirkusshow

Emmerich Kálmán, Begründer der silbernen Operettenära, hätte seine Freude gehabt an der charmanten und mitreißenden Inszenierung seiner Operette Die Zirkusprinzessin in München.  Das Staatstheater am Gärtnerplatz wird saniert und spielt deshalb nur in Ersatzspielstätten. Intendant Josef Ernst Köpplinger machte diesen Notstand zum Clou, indem er für seine Produktion der Zirkusprinzessin das größte Cirkuszelt Europas, den 1.146 Plätze fassenden Münchner Cirkus Krone  als Spielstätte gewann.

Die Zirkusprinzessin (1926) war Kálmáns dritter Erfolg nach der Csardasfürstin (1905) und der Gräfin Mariza (1924). Diese Werke machten Emmerich Kálmán zu dem   berühmten Operettenkomponisten. Sichtbare Emotionen, revueartige Tanzarrangements und echter Wiener Schmäh machen die Zirkusprinzessin zu einem Juwel der Operetten.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber
Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber

Josef Ernst Köpplinger, Intendant und Regisseur, schuf schon vor Beginn der Vorstellung eine bunt bewegte Zirkusatmophäre: Clowns, Spaßmacher, Tänzerinnen und Akrobaten wimmeln akrobatisch, verspielt und komisch durch die Arena des ausverkauften Cirkus Krone. Hierzu verwandelte sich Ballet des Gärtnerplatztheaters und begleitete die heiteren wie traurigen Stimmungslagen der Handlung gefühlvoll choreographiert in  entzückenden Kostümen (Marie-Luise Walek). Das reizende, artistische Ballett erhielt immer wieder Szenenapplaus. Ein tanzendes Puppenballett war ein weiterer der vielen choreographischen Höhepunkte der Inszenierung (Karl Alfred Schreiner).

Die musikalische Leitung hatte Karsten Januschke, der mit rasenten Tempi und hoher Präzision dem Orchester und Ensemble Sicherheit vermittelte. Die schwierige  Akustik eines Zirkuszelt glich eine hervorragende Tontechnik aus.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber
Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber

Richtig zirkusgemäß startet die Zirkusprinzessin im Circus Krone mit einem herzförmigen Ballon, der aus einer Kiste in die Höhe steigt und auf seinen Inhalt hinweist: Die große Liebe. Aber diese große Liebe des Stücks kommt erst zum Schluss der Operette. Bis dahin gibt es nur Liebe, Reichtum, Intrigen und  Adel  im fiktiven Zirkus Stanislawski im kalten St. Petersburg. Auch wenn es im Münchner Zelt hochsommerlich warm war,  auf der Bühne des Circus Krone rieselte Schnee und Schlittschuhlauf wurde gegaukelt, Rainer Sinell zauberte ein Wintermärchen. Und auch wenn es kein wirklicher Schnee war, der in München vom Zirkushimmel fiel, Köpplinger gelang als Kenner des Operettengenres eine insgesamt packende Inszenierung.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber
Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber

Die Zirkusprinzessin und die reiche Witwe Fedora Palinski  singt und spielt Alexandra Reinprecht fürstlich gekleidet, perfekt. Sie ist die Operettendiva, umschwärmt von vielen Verehren. Hauptattraktion im Zirkus Stanislawski ist der lässig in schwarzer Gesichtsmaske auftretende Mister X, tatsächlich der enterbte Neffe eines verstorbenen Fürsten ist. Und hier beginnt die Intrige. Der von Fedora abgewiesene Prinz Sergius Wladimir (Erwin Windegger) bittet Mister X als Edelmann verkleidet Fürstin Feodora den Hof machen. Was Sergius nicht geplant hatte, geschieht: Mister X und Fürstin Feodora finden nach zahllosen Verwicklungen als glücklich Liebende zueinander. Jener ominöse Mister X in Zorro-Kostüm im Circus Krone ist  Daniel Prohaska: Ein großer Held als Zirkusreiter als auch als Adliger, stimmlich ein Genuss: Seine sentimentale Arie “Zwei Märchenaugen” gelingt selbst inmitten eines Zirkuszelt bruchlos und sensibel timbriert.

Großen Spaß bereiten das Paar Otto Jaus als Toni Schlumberger  und Nadine Zeitl als Mabel Gibson und das Wiener Mäderl Liesl. Beide überzeugen durch  liebenswert darstellerische Komik. Mit feiner wie komischer Mimik und  Gestik und der für Operetten so wichtigen schrägen   Wiener Mundart.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber
Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber

Liebenswert rührend der alte Zirkusdirektor Stanilawski  (Franz Wyzner)  und seine Frau Wanja (Gisela Ehrensperger).  Wunderbar amüsant und komisch der Oberkellner Pelikan, sehr stark besetzt mit dem ex-Burgschauspieler und heutigem Intendanten der Wiener VolksoperRobert Meyer. Seine energische Chefin Frau Schlumberger  (Sigrid Hauser)  spielt wienerisch temperamentvoll und begleitet doch zart mit  einfühlsamer Altstimme als Mutter von Toni.

Josef Ernst Köpplinger gelingt mit seiner Inszenierung im charakteristischen Ambiente des Cirkus Krone ein großer Wurf. Die Zirkusprinzessin lebt aus ihren sentimentalen wie heiteren Stimmungen. Diese gelang mit liebevoller, origineller und artistischer Choreographie. Lang tobender Beifall war verdienter Lohn für Inszenierung, Künstler und Regie. Ein Besuch dieser Zirkusprinzessin wird von Herzen empfohlen.      

IOCO / Daniela Zimmermann / 23.07.2014

Weitere Vorstellungen:  23. Juli 2014, 24. Juli 2014, 26. Juli 2014, 27. Juli 2014, 29.7.2014, 30. Juli 2014 und wieder am   17. September 2014, 19./20./21./23.9. 2014

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—


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