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KritikenWiener Musikverein

Wien, Wiener Musikverein, Belcanto senza fine, IOCO Kritik, 30.04.2012

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Redaktion
05. May 2012
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Kritik

Wiener Musikverein

Wien Musikverein © IOCO
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VITA E VOCE

 Belcanto senza fine

Vesselina Kasarova – Krassimira Stoyanova

Vesselina Kasarova © Marco Borggreve
Vesselina Kasarova © Marco Borggreve
Krassimira Stoyanova © Ifkovits
Krassimira Stoyanova © Ifkovits

Glanzvolle Operngala unter  Viva Belcanto 

Vesselina Kasarova und Krassimira Stoyanova am 30.04.2012

Die im Jahr 2007 von Nabiel Michael Elsissi gegründete Münchner Konzertagentur Vita e Voce hat sich der Pflege des Belcanto verschrieben, einer Musik, die vorwiegend in Italien im 18. und frühen 19. Jahrhundert komponiert wurde und zur Ausbildung eines eigenen Gesangsstiles geführt hat. Beginnend mit Rossini wurde die italienische Musik bis zum frühen Verdi mit diesem Begriff belegt. Rossini selbst hat die drei Grundfesten des Belcanto umrissen: „das Instrument, die Stimme also; die Technik, die Mittel sich ihrer zu bedienen; der Stil, der aus Geschmack und Empfindung resultiert.“ Um dem Publikum Belcantoaufführungen auf höchstem Niveau zu vermitteln, organisiert Vita e Voce konzertante Opernaufführungen und Galakonzerte. So wurde im Dezember des vergangenen Jahres in München eine konzertante Aufführung von Gaetano Donizettis Musikdrama Maria Stuarda mit großem Erfolg realisiert.

Als erstes Belcanto-Ereignis dieses Jahres hatte Vita e Voce ein Galakonzert mit Arien und Duetten für Mezzo und Sopran aus der Glanzzeit des Belcanto vorbereitet und dafür mit Vesselina Kasarova und Krassimira Stoyanova zwei hochkarätige Sängerinnen verpflichtet. Noch vor München (2. Mai) wurde das Konzert am 30. April im voll besetzten Goldenen Saal des Wiener Musikvereines Opernfreunden präsentiert.

Mit großer Begeisterung lauschten diese den Darbietungen der beiden stimmlich bestens disponierten Sängerinnen, die seit vielen Jahren zu den Stützen des Hauses am Ring zählen und dafür verdientermaßen auch mit dem Titel Österreichische Kammersängerin ausgezeichnet wurden. Begleitet wurden sie vom Münchner Opernorchester unter dem Dirigat des jungen, ebenfalls aus Bulgarien gebürtigen, vorwiegend aber in den Vereinigten Staaten tätigen Rossem Milanov.

Das Programm begann mit Mozart. Nach der Ouvertüre zu Le nozze di Figaro folgte gleich der erste sängerische Höhepunkt: Rezitativ und Arie (Dove sono i bei momenti) der Gräfin aus dem 3. Akt, in der der warme Sopran Krassimira Stoyanovas wunderbar wehmütig erblühte und die Zuhörer in seinen Bann schlug.

Dass ihre Stimme aber auch leidenschaftliche Dramatik ausdrücken kann, bewies sie als Vitellia im darauf folgenden Duett mit Sesto aus dem 1. Akt von Mozarts letzter Oper, La Clemenza di Tito. Mit der Arie des Sesto Parto, ma tu ben mio aus der selben Oper bewies Vesselina Kasarova, dass auch sie blinde Liebe und Leidenschaft stimmlich glaubhaft zu gestalten vermag. Gleichfalls große Gefühle waren das Thema in Gaetano Donizettis Ende 1840 in Paris uraufgeführter Oper La Favorita.

Kasarova sang hieraus die Arie der Leonore “O mio Fernando” aus dem 3. Akt. Mit Anna Bolena stand ein weiteres Meisterwerk Donizettis auf dem Programm. In der Schlussarie der Anna, schon dem Tode geweiht und zwischen Traum und trostloser Wirklichkeit hin und her gerissen, zeigte sich die stimmliche Gestaltungskraft Krassimira Stoyanovas.

Nicht minder zu Herzen ging die von Vesselina Kasarova innig gestaltete Arie der Johanna aus dem 1. Akt der 1881 uraufgeführten Oper Die Jungfrau von Orleans von Peter I. Tschaikowski, mit der sie sich von ihrer Heimat verabschiedet, um gegen England in den Krieg zu ziehen. Auch in Tschaikowskis berühmtester Oper Pique Dame (1890) finden sich Belcanto-Melodien.

Wunderschön harmonieren die Stimmen Stoyanovas als Lisa und Kasarovas als Polina in dem schlichten, die Abendstimmung schildernden Duett aus dem 1. Akt dieser Oper und berühren so auch dort, wo es nicht um große Gefühle geht. Die ganze Bandbreite zwischen Hoffen und Bangen hingegen lotet Krassimira Stoyanova in der Arie der Lisa Bald ist es Mitternacht aus dem 3. Akt aus.

Den Schluss des offiziellen Programms bildete das Duett Fu la sorte dell’armi a’tuoi funesta zwischen Aida und Amneris aus dem 2. Akt der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi. Während Kasarova alle anderen an diesem  Galaabend zu Gehör gebrachten Partien auch auf der Bühne gesungen hat, bildete die Amneris ihr Rollendebüt, dessen Realisierung auf der Bühne für 2014 in Köln geplant ist.

Passend zur Jahreszeit war die Zugabe: das von den Sängerinnen duftig zart gestaltete Kirschblütenduett aus Puccinis Madama Butterfly bildete den Abschluss des an Höhepunkten reichen Abends. Nabiel Michael Elsissi ist für die Organisation dieses „Festes der Stimmen“ zu danken. Erfreulicherweise wird es im Juli 2012 bereits den nächsten Höhepunkt in dieser Aufführungsserie geben: in München wird Edita Gruberova erstmals die Alaide in Vincenzo Bellinis Oper La Straniera singen. Der einzige Wermutstropfen dabei: Wien scheint als Aufführungsort derzeit nicht vorgesehen zu sein.  IOCO / M. & Ch. K. / 30.04.2012


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