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PressemeldungWiener Musikverein

Wien, Wiener Philharmoniker, Neujahrskonzert 2011 – Philharmoniker in versteiften Ritualen, IOCO Kritik, 04.01.2011

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05. January 2011
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Wiener Musikverein

Wien-Musikverein © IOCO
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Neujahrs-Tradition frisst Wiener Philharmoniker

Seit 1941 besteht  das Neujahrs – Konzert der Wiener Philharmoniker im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.  In 70 Länder wird es übertragen, 50 Millionen sind live dabei. Das Programm besteht überwiegend aus Werken von Johann Strauss (Vater und Sohn), Eduard und Josef Strauss. Im Ausland weniger bekannte Komponisten ergänzen ein Programm, dessen Charme inzwischen unter seiner zwängenden Ritualisierung dramatisch schmilzt.  Das Jahrzente alte  Strauss-Konzert  verursacht nur noch wenig Gänsehaut-Feeling. Die Zugaben:  Immer dieselben; dritte und letzte Zugabe: Radetzkymarsch. Tobender Beifall!!  Aus.

Johann Strauss Vater @ IOCO
Johann Strauss Vater @ IOCO

Das Neujahrs – Konzert 2011 bestand aus Frühwerken von Johann Strauss, solche aus der Operette Simplicius  mit Klassikern gemischt. Dazu eine Hommage an Franz Liszt (200. Geburtstag), Stücke von Strauß Vater, Joseph und Eduard Strauss sowie Hellmesberger d. J.. Semper idem: Auch wenn Reitermarsch, Donauweibchen, Abschiedsrufe schön gespielte Stücke waren: Auffällig, mitreißend  oder gar ergreifend wirkte das Programm 2011  wahrlich nicht.

Die Dirigenten der Neujahrskonzerte  der Wiener Philharmoniker sind  ohne Altersbeschränkung männlich: Georg Pretre dirigierte mit 86 Jahren schwächlich und  glanzlos die  Neujahrskonzerte 2008 und 2010. Frauen im Ensemble der Wiener Philharmoniker waren bis 1997  verboten.   Inzwische hübschen  sieben Damen das 140 Mann starke Ensemble auf.  Bei Auftritten gilt für Frauen Hosenzwang. Trotz Aufhebung des Frauenverbots: Den traditionsbewußten wahren Wiener treiben weiterhin ernste Zweifel, ob musizierende Damen ihren männlichen Partnern wirklich ebenbürtig sein können.

 Johann Strauss Sohn @ IOCO
Johann Strauss Sohn @ IOCO

Dirigent des Neujahrs – Konzertes 2011 war Franz Welser-Möst, neu gekürter Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper.  Der wußte augenscheinlich zu schätzen, daß die hochklassigen Wiener Philharmoniker das nicht anspruchsvolle Programm auch ohne Dirigent gut “abspulen” können. Er hielt sich mit  gestaltenden Eingriffen zurück, produzierte nur wenig Kraft. Die ZEIT beschrieb Welser-Möst 2009 als Anti-Charismatiker. Er selbst warnte ebenfalls “Ich neige nicht dazu, ein großes Zirkuspferd zu sein”.  Der Neujahrsmorgen 2011: Ein Durchschnittsprogramm der Wiener Philharmoniker mit  wenig emotionalem Tiefgang, höchster Präzision, mathematisch asketisch präsentiert. Dazu ein unterfordert wirkender Dirigent, scheinbar gelangweilt, den Glanz des Anlasses sichtbar konterkarierend. Symptomatisch für das peinlich wirkende Dirigat war die Polka Ohne Aufenthalt: Franz Welser-Möst  mit Eisenbahner-Signalkelle in der Hand erinnerte tatsächlich an einen Bahnhofsvorsteher. Ein Neujahrs-Esprit schaffender Dirigent  ist  freilich aus anderem Stoff gemacht

Enttäuscht  flüchteten wir am Abend des 1. Januar 2011 in das architektonisch fast ebenbürtige, 1913 erbaute Wiener Konzerthaus: Und  genossen dort die andere Wiener Tradition: Beethovens  Neunte Symphonie mit den  Wiener Symphonikern.  Unter der Leitung des kurzfristig eingesprungenen Dirigenten Graeme Jenkins. Zahlreiche Ausfälle und Umbesetzungen hatten dies ungleich anspruchsvollere Konzert zu einem heiklen va banque-Spiel gemacht. Welches weitgehend gelang. IOCO / Viktor Jarosch / 04.01.2011


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