Duisburg, Mercatorhalle, Edita Gruberova Norma konzertant
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Kritik
Norma
Lyrische Tragödie in zwei Akten
Musik von Vincenco Bellini
Dichtung von Felice Romani
(nach Alexandre Soumets gleichnamiger Vers -Tragödie)
Edita Gruberova gastierte mit phänomenaler konzertanter Norma am 13.2.10 in der Philharmonie der Mercatorhalle in Duisburg mit den Duisburger Philharmonikern unter der musikalischen Leitung von Andriy Yurkevych Bellinis schönste und berühmteste Oper avanciert mittlerweile zum Liebling vieler Opernhäuser.
Norma, aus der Epoche des Belcantos, früher selten gespielt, gehört nun in fast allen Ländern zum Repertoire der Opernhäuser. Richard Wagner sagte über diese Oper, Bellinis Melodien seien „schöner als Träume” und Maria Callas machte „Normas Gebet, “Casta Diva” zu ihrer Glanzrolle.
Norma ist die Liebestragödie einer gallischen Priesterin und eines römischen Prokonsuls, Pollione, dessen heimliche Geliebte sie seit langem ist, mit dem sie ihr Gelübde gebrochen hat und mit ihm bereits zwei Kinder hat.
Pollione aber hat sein Herz an die Novizin Adalgisa verloren und will mit ihr fliehen. So nimmt Normas Schicksal den tragischen Verlauf, der in Bellinis meisterhafter Partitur so unvergleichlich mitfühlend nachgezeichnet ist.
Konzertante Aufführungen von Opern haben auch ihren Reiz, sie gehören in den großen Häusern längst zum guten Ton und sind manchmal vokale Sternstunden. So kann sich der Opernfreund doch verstärkt auf Stimmen und Musik konzentrieren. So war es auch am gestrigen Abend in der Philharmonie der Mercatorhalle in Duisburg. Man konnte sich hier uneingeschränkt der Musik, den schönen Stimmen, und den „unendlichen” Melodien, die Bellini diesem Frauenschicksal widmete, hingeben. Es gibt eine Fülle von schöner und schönster Musik in diesem Werk. Die erste Forderung, die bei einer konzertanten Aufführung jedoch gestellt werden muss, ist die nach größtmöglicher Genauigkeit, nach Authentizität und musikalischer Geschlossenheit. So geriet die gestrige Aufführung in Duisburg zu einem Sängerfest allererster Güte. Ein wirklich festlich konzertanter Opernabend, wie man ihn nicht alle Tage erlebt.
Das verdanken wir in aller erster Linie der grandiosen Edita Gruberova. Das Faszinierende an ihr ist ihre Selbstverständlichkeit. Sie war der Mittelpunkt der Aufführung. Je schwieriger die technischen Aufgaben waren, um so sicherer und klarer wurde ihr Ton, umso eindringlicher und suggestiver die musikalische Darstellung. Sie verfügt über alle Töne in dieser unglaublich schwierigen Partie und war in der Lage, bravouröse Koloraturen zu singen, da wo sie gefragt waren, aber sie war ebenso zu größter Delikatesse und Subtilität fähig. Ihr ausgeglichenes Legato in der Szene, wenn sie davorsteht, ihre Kinder zu töten, war fesselnd.
Mittlerweile ist Edita Gruberova seit Jahren hierzulande die Sensation, an die man schon gar nicht mehr zu glauben wagt. Die Einheit von Klang und technischer Perfektion ist stets richtig. Ihr immer unmittelbar und glaubhaft durchdachter Gesang ist vital und rational zugleich. Leicht und mühelos wurde sie mit der überaus heiklen Partie der Norma fertig. Hervorgehoben muss ihre stilistische Kompetenz werden, ihre Intensität, der lyrische Ausdruck und der dramatische Einsatz, all dies getragen von einer perfekten Technik. Sie sang gelöst und mit einer Leichtigkeit, dass man glauben könnte, Singen wäre das Einfachste auf der Welt.
Auch die anderen Gesangssolisten bewegten sich auf hohem Niveau.
In aller erster Linie ist die vorzüglich singende Adalgisa, Silvia Tro Santafe, zu nennen. Sie imponierte durch die sonore Pracht ihres schön gefärbten, einwandfrei geführten Mezzos und wächst im Duett mit Norma zur ebenbürtigen Partnerin heran.
Tenor, Pollione, Zoran Todorovich, übernahm die Partie des erkrankten Aleksandrs Antonenko. Todorovich war ein Pollione mit tenoralem Metall, Strahlglanz, ausgeglichener Stimmführung und sicheren Höhen. Er konnte unter Beweis stellen, dass er im Belcanto-Repertoire zu den führenden Tenören unserer Zeit zählt Adrian Sampetrean, ein überzeugender Orveso mit Präsenz und Bass-Schwärze. Anett Fritsch wertete mit beachtlichen Stimmitteln die kleine Partie der Clothilde auf.
Unter der Leitung von Andriy Yurkevych zeigten die Duisburger Philharmoniker eine imponierende Leistung.
Mit fordernder Energie lenkte Yurkevych sie durch die Vielschichtigkeit dieser Oper, erreichte eine gute Balance der Instrumentengruppen und realisierte eine homogene und fesselnde Aufführung, die das außerordentlich Publikum begeisterte.
Der Chor der Deutschen Oper am Rhein, hervorragend vorbereitet von Gerhard Michalski, bot sängerisch eine hochgradige Leistung.
Das hingerissene Publikum nahm diese Aufführung mit tumultartigen Ovationen auf und bedankte sich ausdauernd für den großartigen Abend.
Ihr IOCO TEAM / KK


